Neue Wege in der Krebstherapie

Die Immuntherapie gegen Tumore gilt als vielversprechender neuer Ansatz in der Behandlung von Krebs. Statt Chemotherapie oder Bestrahlung wird die Abwehr direkt im Körper aktiviert. Durch Medikamente können Immunreaktionen des Körpers gegen Krebszellen hervorgerufen werden, die auf natürlichem Wege nicht zustande kämen, erklärt Dr. Annette Dieing, Oberärztin für Onkologie und Hämatologie am Vivantes Klinikum Am Urban (Berlin-Kreuzberg). Unser Immunsystem ist darauf ausgerichtet, fremde oder schädliche Zellen im Körper zu erkennen und diese zu zerstören. So werden Krankheitserreger im Körper für gewöhnlich automatisch bekämpft. Aber Krebszellen ähneln den gesunden Körperzellen derart, dass sie vom Immunsystem nicht als fremd oder falsch erkannt werden – oder sie verhindern mit bestimmten Eiweißen einen Angriff der Körperabwehr. „Die natürliche Immunreaktion bleibt somit aus. An dieser Stelle setzt die Immuntherapie an“, erläutert Dr. Dieing.

„Im Kampf gegen Krebs setzt die Medizin auf die Immuntherapie“, erklärt Dr. Annette Dieing.

Foto: Vivantes

Während einer Behandlung werden bestimmte Strukturen auf der Oberfläche der Tumorzellen mit Antikörpern markiert: Dank dieser Marker stuft das Immunsystem die entsprechenden Zellen als schädlich ein. Alternativ werden Abwehrmechanismen der Tumorzellen unterbrochen. Die Immunreaktion wird ausgelöst und der Körper beginnt, die fortan als krank wahrgenommenen Zellen zu zerstören.

 „Bisher konnten nur für wenige Krebserkrankungen Marker für die Oberfläche der Tumorzellen gefunden werden, mit deren Hilfe über passende Antikörper eine Immunreaktion hervorgerufen wird“, erklärt die Medizinerin. Derzeit ist eine solche Antikörpertherapie in Deutschland beispielsweise bei Brustkrebs, Lungenkrebs, Krebs im Hals-Nasen-Ohren-Bereich und bei Lymphknotenkrebs etabliert. Die Aktivierung eines unterdrückten Immunsystems hingegen scheint bei vielen Krebserkrankungen zu funktionieren. Die erste Zulassung wurde für schwarzen Hautkrebs erteilt, mittlerweile können auch etwa Nieren- und Blasenkrebs damit behandelt werden. „In den nächsten Jahren werden wir wohl noch viele weitere Behandlungsmöglichkeiten bekommen“, macht Dr. Dieing Hoffnung.

 Was sind die Risiken und Nebenwirkungen einer Immuntherapie? „Im Gegensatz zu anderen Therapien ist es dank der neueren gezielten Methoden möglich, das Wachstum der kranken Tumorzellen zu verhindern oder sie sogar zu zerstören und dabei gleichzeitig gesunde Zellen zu schonen“, so Dr. Dieing. Die Immuntherapie ist daher häufig besser verträglich als eine Chemo- oder antihormonelle Therapie.