Wissenswertes über Knochenschwund
Laufen, Krafttraining und Wandern beanspruchen die Knochen. Das ist die beste Vorbeugung gegen Osteoporose. Schwimmen hilft nicht.
Osteoporose bedeutet Verminderung der Knochenmasse und Verlust der Knochenfeinstruktur. Ab dem 35. Lebensjahr lässt die Knochendichte nach, sodass im Inneren des Knochens immer weniger Masse vorhanden ist. Dadurch entsteht ein erhöhtes Bruchrisiko. »Bei fortgeschrittener Osteoporose sieht beispielsweise ein Wirbelkörper wie ein Schweizer Käse aus«, sagt Dr. Ann-Kathrin Meyer, Fachärztin für Innere Medizin und Altersheilkunde. Männer haben in der Regel mehr Knochenmasse und können so im Alter auch besser davon zehren. Bei Frauen schwindet der Knochenaufbau aufgrund der Wechseljahre stärker als bei Männern, die Anzahl der Knochenfresszellen steigt. »Man spürt keine Schmerzen und auf Röntgenbildern erkennt man die Osteoporose erst, wenn bereits ein Drittel der Knochenmasse weg ist«, erklärt Dr. Meyer. »Aber mit regelmäßiger Bewegung, Tageslicht und einer kalziumreichen Ernährung lässt sich eine Osteoporose um Jahre hinauszögern.«
Positiver Einfluss durch Ernährung
»Mit unserer Nahrung nehmen wir täglich etwa 800 Milligramm Kalzium auf, der Tagesbedarf liegt aber bei 1.500 Milligramm«, erklärt Dr. Meyer. Da hilft es zu wissen, in welchen Lebensmitteln besonders viel Kalzium enthalten ist und wie man seine Ernährung behutsam umstellen kann. »Das erreicht man beispielsweise, wenn man täglich 150 Milliliter fettarme Milch, 150 Gramm Joghurt, 200 Gramm Brokkoli, zwei Scheiben Käse und einen halben Liter kalziumreiches Mineralwasser zu sich nimmt«, erläutert Ernährungsexpertin Angela Knipping. Da der Körper nicht so viel Kalzium auf einmal aufnehmen kann, sollte man die Zufuhr über den Tag verteilen. Wer Milch oder Milchprodukte nicht mag oder verträgt, kann seinen Kalziumbedarf über Mineralwasser, grünes Gemüse, Nudeln oder Vollkornbrot abdecken. Außerdem bieten Drogerien oder Apotheken Kalziumtabletten an. »Doch diesen künstlichen Geschmack hat man schnell über«, weiß Dr. Meyer aus eigener Erfahrung.
Licht, Bewegung und frische Luft
Vitamin D ist besonders wichtig, weil es die Aufnahme von Kalzium über den Magen und die Blutbahnen steigert. Besonders in fettreichen Lebensmitteln wie in Hering, Makrele, Lachs, Heilbutt und Thunfisch sowie Milch, Leber und Eigelb ist dieses Vitamin enthalten. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt deshalb ein bis zwei Fischmahlzeiten pro Woche sowie Milchprodukte zu sich zu nehmen. Es reicht allerdings nicht aus, die Lebensmittelauswahl entsprechend anzupassen. Wichtig ist, dass Vitamin D zusätzlich über die Haut hergestellt wird. Dazu genügen im Sommer dreimal pro Woche 5 bis 15 Minuten Sonneneinstrahlung. Nach 20 Minuten ist die Höchstmenge erreicht, die der Körper so produzieren kann. Übermäßiger Alkohol- und Kaffeegenuss, übertriebene Diäten sowie der Missbrauch von Abführmitteln können zu einer Mangelversorgung mit Kalzium und Vitamin D führen. Auch das Rauchen schädigt die Knochen, weil das Knochengewebe nicht mehr ausreichend versorgt wird.
Die DXA-Knochendichtemessung
Eine Knochendichtemessung gibt Aufschluss über eine mögliche Osteoporose. Am genauesten ist die sogenannte DXA-Messung. Diese Untersuchung ist strahlenarm und erlaubt eine präzise Messung aller relevanten Skelettbereiche. Zusätzlich ermöglicht dieses Verfahren eine seitliche Darstellung der gesamten Wirbelsäule. Damit erkennt man bereits eingebrochene Wirbelkörper und kann mögliche weitere Brüche in der Zukunft prognostizieren. Das Ergebnis der Knochendichtemessung wird anhand des T-Werts angegeben. Eine Knochendichtemessung erfolgt meistens erst, wenn wegen eines Knochenbruchs der Verdacht auf Osteoporose besteht. Nur dann übernimmt auch die Krankenkasse die Kosten für diese Untersuchung.
Die am häufigsten eingesetzten Arzneimittel bei einer Osteoporosebehandlung sind Kalzium, Vitamin D, Bisphosphonate oder Hormontabletten. Eine Hormonersatztherapie gegen Wechseljahrbeschwerden hat sich zwar auch als positiv bei der Osteoporosebehandlung erwiesen, birgt jedoch die Gefahr eines erhöhten Brustkrebsrisikos.
Zur Vorbeugung und Therapie von Osteoporose ist Bewegung ein entscheidender Faktor. In beiden Fällen eignen sich Sportarten, die die Knochen beanspruchen, wie Laufen, Krafttraining oder Wandern. Das gelenkschonende Schwimmen oder Radfahren helfen nicht beim Knochenaufbau. Um zusätzlich das Sturzrisiko zu mindern, empfehlen sich Sportarten zum Training von Koordination und Gleichgewicht, wie Tanzen oder Gymnastik. Mit Blick auf die Vitamin D-Produktion hilft besonders Bewegung im Freien, um auch im Alter noch einen Aufbau von Knochenmasse zu ermöglichen. Es ist nie zu spät, um mit Bewegung anzufangen.
