Zum ersten Mal Advent im Altenheim

Zwischen Kerzenlicht, Glühwein und vorweihnachtlichem Trubel lassen die besinnlichen Wochen vor dem Fest viele Menschen auch ein wenig nachdenklich werden. Gerade die älteren unter ihnen machen sich Gedanken über ihre Zukunft, ob sie noch genügend Kraft haben werden, um allein in der Wohnung zurechtzukommen.

Hilde Kruse zündet eine Kerze für ihren verstorbenen Ehemann Christoph und den verstorbenen Sohn Jürgen an.

Hildegard Kruse ist bereits einen Schritt weitergegangen und vor fünf Monaten ins Altenheim gezogen: „Ich bin herzkrank und in meinem Haus mehrfach umgefallen. Meine Söhne hatten große Sorgen um mich, konnten deshalb nicht mehr schlafen.“ Die 80-Jährige gibt zu, dass sie die Hausarbeit nicht mehr geschafft hat und der Umzug richtig war, „bevor alles verkommen wäre.“ In der neuen Umgebung hat sich Hilde Kruse inzwischen gut eingelebt. Mit dem Essen, der hauswirtschaftlichen Versorgung und den liebevollen Pflegekräften ist sie sehr zufrieden. Doch das Heimweh nach ihrem alten Haus und dem Garten, in der die Familie 60 Jahre gelebt hat, ist noch groß.

Belastend ist für Hilde Kruse, dass ihr Ehemann vor drei Jahren gestorben ist und auch einer der Söhne. „Ich bin tief traurig und denke oft an die Zeit, als die drei Kinder noch klein waren und daran, wie glücklich unsere Familie in der Vorweihnachtszeit war.“ Dürfen Menschen in der Adventszeit traurig sein, während sich andere in den Weihnachtstrubel stürzen? Ja, sie dürfen. Wer das Glück hat, alt zu werden, muss irgendwie damit fertig werden, dass die wichtigsten Menschen im Leben vor einem gehen oder bereits gegangen sind. Jeder hat da sein Päckchen zu tragen.

Hilde Kruse versucht tapfer, aus der manchmal nur schwer erträglichen Trauer herauszukommen. „Hier im Heim wird viel geboten. Ich gehe zur Gymnastik und zum Schwimmen. Die Nachbarn sind sehr nett. Gestern waren wir im Theater und haben ‚Der blaue Engel’ gesehen. Das ist eine gute Ablenkung.“ Einen besonderen Halt findet Hilde Kruse innerhalb der Familie. „Meine beiden Söhne, die Schwiegertöchter und die sechs Enkelkinder kümmern sich um mich an den Adventssonntagen. Sie sind mein Ein und Alles.“