Postbote rettet Seniorin das Leben

Das kam Postbote Andreas Walla seltsam vor: Schon drei Tage lang waren die Rollläden an einer Doppelhaushälfte in seinem Zustellbezirk herabgelassen, das Fahrrad stand an derselben Stelle, ein Fenster war offen und der Briefkasten quoll über. Auch auf sein Klingeln reagierte niemand. Der umsichtige Brief- und Paketzusteller rief geistesgegenwärtig die Feuerwehr und rettete so wahrscheinlich einer alten Dame das Leben.

Andreas Walla ist bei einer älteren Volksdorferin aufgefallen, dass er sie tagelang nicht gesehen hatte.

Die Feuerwehr brach die Haustür auf und fand die alleinlebende Seniorin bewusstlos auf dem Boden. Sofort wurde der Rettungswagen gerufen. Es stellte sich heraus, dass sie gestürzt war. Er habe viele ältere Menschen auf seiner Tour, erzählt Andreas Walla. Ein solcher Extremfall sei ihm aber in den 26 Jahren, in denen er als Postbote in Volksdorf unterwegs ist, noch nicht untergekommen. Der sympathische Familienvater nimmt sich gern Zeit für einen kleinen Schwatz mit den Senioren. „Alte Menschen brauchen Ansprache, erzählen gern von ihren Kindern und Enkeln, die sie aber meist nur selten sehen“, weiß der einfühlsame 49-Jährige.

 Wer kümmert sich um mich, wenn ich in meinem Haus gestürzt bin, und nicht mehr ans Telefon komme, um Hilfe zu rufen? Diese Frage bewegt viele alleinlebende Senioren, die voll im Leben stehen. Eine aufmerksame Nachbarschaft, Freunde und Familienangehörige können Sicherheit geben. Möglich ist es zum Beispiel, eine Telefonkette zu organisieren. Dabei rufen sich die Teilnehmer regelmäßig an, sodass niemand tagelang hilflos sich selbst überlassen ist.

 Ein Hausnotruf ist ein weiterer wichtiger Baustein, um so lange wie möglich sicher in den eigenen vier Wänden leben zu können. Ein Beispiel: Ein alleinlebender 80-jähriger Mann stürzt in seiner Wohnung. Zum Glück ist nichts gebrochen, er kann jedoch nicht allein aufstehen. Das Telefon ist unerreichbar. Ein kleiner Sender am Handgelenk und eine Freisprechverbindung sind in diesem Fall die Rettung. In der Hausnotrufzentrale wird gemeinsam mit dem Betroffenen entschieden, wie verfahren wird: ob sich ein Mitarbeiter mit einem Wohnungsschlüssel auf den Weg machen oder ob der Sohn informiert werden soll. Immer wieder sind es die Kinder, die ihren Eltern ein Stück Sicherheit ins Haus bringen wollen. „Ich bin gar nicht hinfällig, aber meine Tochter möchte das gern“, bekommt Jan Jänisch vom Hausnotruf im Hospital zum Heiligen Geist (Hamburg-Poppenbüttel) oft zu hören. Doch wer einmal in einer solch misslichen Lage war, weiß die Vorzüge des Systems zu schätzen. Auf Wunsch kann täglich auf eine Taste am Gerät gedrückt werden, um zu überprüfen, ob es dem Nutzer gut geht. Wird dieser Anwesenheitsknopf nicht gedrückt, wird ein Alarm ausgelöst. Darauf gibt es zunächst einen Anruf von Jan Jänisch oder seinen Kollegen. Bei Verdacht auf einen Notfall wird sofort Hilfe gerufen. Nähere Informationen zum Notruf-System und den Kosten: 040 / 60 60 11 11.

 Übrigens: Der gestürzten alten Dame, die Andreas Walla das Leben zu verdanken hat, geht es in der Zwischenzeit besser, hat ihr Retter erfahren. Für ihre Tochter war der Unfall ein Weckruf: Sie hat ihre Mutter zu sich nach München geholt, wo sie jetzt im Kreise der Familie ihren Lebensabend genießt.