Pflege nach dem Krankenhaus

Wussten Sie, dass ein Patient, der nach einem Oberschenkelhalsbruch operiert wird, nur zwölf Tage im Krankenhaus liegt? Die Entlassung steht häufig direkt nach der medizinischen Behandlung an. Wer noch Kraft schöpfen muss, um nach einer Hüft-OP wieder auf die Beine zu kommen, kann nach einem Klinikaufenthalt und der anschließenden Reha zum Beispiel die Kurzzeit- und Verhinderungspflege in Anspruch nehmen. Altenpfleger, Krankenschwestern und Therapeuten leisten hier gemeinsam mit den behandelnden Ärzten wichtige Arbeit, um Kraft zu sammeln und danach wieder in der vertrauten Umgebung zu leben. Bis zu acht Wochen zahlt die Pflegekasse einen Zuschuss von maximal 3.224 Euro.

Karina Arlt freut sich über die kleinen gesundheitlichen Fortschritte der Bewohner, die nach wenigen Woche wieder selbstständig zu Hause leben können.

Karina Arlt arbeitet seit 25 Jahren auf der Pflegestation in der Residenz am Wiesenkamp in Hamburg-Volksdorf und trägt mit ihrem Team die pflegerische Verantwortung für 97 Bewohner. Einige von ihnen begeben sich nur für wenige Wochen im Rahmen der Kurzzeit- und Verhinderungspflege in die Obhut der Wohnanlage. „Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus und der Reha brauchen einige Patienten noch Unterstützung. Die kommen zu uns, weil sie noch sehr schwach auf den Beinen sind oder Orientierungsstörungen nach der Narkose haben“, erklärt die Pflegedienstleiterin.

Die wichtigste Frage lautet am Anfang: Was ist Ihr Ziel? Wenn die Kurzzeitbewohner dann antworten, dass sie wieder nach Hause wollen, ist das ein sehr gutes Zeichen. Denn die Motivation ist hoch, um bei der Therapie – vom Gehtraining beim Physiotherapeuten bis zum Sprechen und Schlucken beim Logopäden – mit vollem Elan mitzumachen und bis an die Grenzen zu gehen. Manchmal fühlen sich die Neuankömmlinge jedoch noch so kraftlos, dass sie zunächst seelisch aufgebaut werden müssen. „Wir setzen dann gemeinsam kleinere Ziele, um die ersten Erfolgserlebnisse zu haben. Wenn ein Bewohner wieder auf der Bettkante sitzen, stehen und ein paar Schritte gehen kann, steigt seine Motivation deutlich“, freut sich Karina Arlt über die kleinen Fortschritte.

Eine große Unterstützung bietet auch die Gruppe. In der Gemeinschaft finden sich immer Gleichgesinnte, die ähnliche Probleme und Sorgen haben. Die Bewohner helfen sich gegenseitig, muntern sich auf. Außerdem tragen die zahlreichen Freizeitangebote zur Genesung bei. Beim Singen, Gedächtnistraining, Tanznachmittag, Besuch vom Therapiehund, Porzellanmalen oder Dämmerschoppen werden die Senioren so weit abgelenkt, dass sie eine Zeit lang nicht an ihre Krankheit denken.

Oft sind die Patienten zum Beispiel von einer Operation noch so mitgenommen, dass sie für sich noch keine gesundheitliche Perspektive erkennen können. Wenn Karina Arlt den Krankenhausbericht liest, die Anordnungen ausführt, den Einsatz der Therapeuten plant, weiß sie bereits, dass die Neuankömmlinge zwar noch pflegerische Unterstützung benötigen, aber gute Aussichten haben, wieder selbstständig leben zu können.

Karina Arlt hat mit 17 Jahren den Beruf der Altenpflegerin gelernt und ist seit 31 Jahren in der Pflege tätig. Sie freut sich immer wieder darüber, wenn die Kurzzeitpflegebewohner ihr Ziel erreichen und danach wieder in ihren eigenen vier Wänden leben können. „Die Menschen sind sehr dankbar“, berichtet Arlt. „Das zeigt sich auch in den positiven Rückmeldungen. Manchmal bekommen wir zu den Feiertagen eine Karte, auf der dann der Satz steht: ‚Machen Sie sich um mich keine Sorgen, mir geht es gutʻ.“