Einen Neuanfang wagen

Der Entscheidungsprozess, ob man im Alter umzieht, braucht seine Zeit. Er ist von Ängsten und Zweifeln geprägt. Eine große Hilfe ist es, einmal aus der Sicht einer neuen Bewohnerin zu erfahren, wie sich das Leben fünf Monate nach dem Umzug in eine Seniorenwohnung anfühlt. Bärbel Kukelies ist am 1. Dezember 2016 ins Haus Pfingstrose vom Hospital zum Heiligen Geist (Hamburg-Poppenbüttel) gezogen, hat eine barrierefreie 2-Zimmerwohnung mit Küche, Duschbad, Balkon und Fahrstuhl. Sie schreibt:

Das Sportstudio ist auf dem Gelände. Bärbel Kukelies trainiert auf den Fitnessgeräten ihr Gleichgewicht.

Hinsbleek 10, Haus P, so lautet meine neue Adresse. Klingt gut, leicht zu merken, ruhige Lage, gute Verkehrsanbindung, langjährig vertraute Umgebung – und doch ist alles anders. Monatelange Überlegungen sind nach dem Tod meines Mannes diesem Umzug vorausgegangen. Einerseits hätte bei mir ja alles so weiterlaufen können, auch alleine. Damals hörte ich von den Neubauplänen im Hospital zum Heiligen Geist. Es reizte mich die Vereinfachung von „Haus und Garten“ zur überschaubaren Wohnung auf einer Ebene mit Fahrstuhl und allen technischen Annehmlichkeiten eines Neubaus und den Angeboten in nächster Nachbarschaft. Es reizte mich auch die Tatsache, dass es für alle 59 Mietparteien in ähnlichem Alter und ähnlicher Situation mit ähnlichen Problemen ein Neustart ist, der allen die letzten Reserven abverlangt, also: Alle Mann in einem Pfingstrosen-Boot!

Hätte ich damals schon gewusst, wie wohl ich mich heute in „meinen“ vier Wänden fühle, wie unbegründet meine Sorgen und Befürchtungen waren, wie viel Hilfe trotz ferner Kinder und Enkel von unerwartete Seite kam, wie falsch die „gut gemeinten Ratschläge“ waren – ich hätte mir viele schlaflose Nächte ersparen können!

 Haus Pfingstrose hat mir den letzten Wechsel in meinem Leben „verblümt“ und ich bin erstaunt, wie viel Neugierige es plötzlich in meinem Umfeld gibt, die gerne „mal gucken“ möchten. Ja, so angenehm kann das Wohnen im Alter auch sein, vorausgesetzt, dass man das Thema nicht ausklammert, sondern sich rechtzeitig umschaut und informiert. Ich für mich kann nur dankbar sagen: Ich bin angekommen!