Von der Vorsorge bis zur Herzkatheteruntersuchung

Unter Belastung ist ein schneller Herzschlag normal. Wenn das Herz in Ruhepausen schneller schlägt, kann das ein Alarmsignal sein.

Welche Anzeichen für Herzerkrankungen gibt es?

Prof. Dr. Irmtraut Koop [Chefärztin der Abteilung Innere Medizin im Amalie Sieveking-Krankenhaus]: Zu den Vorboten gehören Enge und Schmerzen in der Brust, Luftnot sowie Herzrhythmusstörungen. Diese Beschwerden können sowohl bei Belastung als auch nachts auftreten.

Welche Risikofaktoren gibt es?

Prof. Koop: Bewegungsmangel, falsche Ernährung und Übergewicht können zu Bluthochdruck, Diabetes und erhöhten Cholesterinwerten führen. Negativ wirken sich auch ein zu hoher Harnsäuregehalt sowie das Rauchen aus. Hinzu kommt das nicht zu beeinflussende erbliche Risiko. Darum sollten wir umso mehr versuchen, die anderen Risikofaktoren auszuschalten.

Dr. Frank Hennersdorf [Kardiologe im Amalie Sieveking-Krankenhaus]: Durch die Risikofaktoren kommt es zu Verdickungen in der Herzwand, die den Blutfluss behindern. Diesen natürlichen Prozess der Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) können wir durch unsere Lebensgewohnheiten positiv beeinflussen. Erst wenn der Blutfluss massiv behindert wird, kommt es zu klinischen Beschwerden.

Wie ist das Herzrasen einzuordnen?

Prof. Koop: Unter Belastung und bei Stress ist ein schneller Herzschlag normal. Wenn das Herz aber in Ruhephasen plötzlich schneller schlägt, kann das ein Alarmsignal sein.

Wie funktioniert die Herzkatheteruntersuchung?

Dr. Hennersdorf: Von der Leistenarterie wird ein dünner Plastikschlauch bis ins Herz geführt, um dort ein Kontrastmittel zu spritzen. Dieses macht bei der anschließenden Röntgenuntersuchung die Herzkammer sichtbar. Ähnlich wird bei der Darstellung der Herzkranzgefäße verfahren. Sollte eine Behandlung nötig sein, kann der Arzt sofort eine Ballondilatation vornehmen, bei der das Gefäß geweitet wird, gegebenenfalls mit dem Einsetzen eines Stents.

Wie gehen Sie mit der Verantwortung um, bei einem Patienten durch die Schlagader ins Herz vorzudringen?

Dr. Hennersdorf: Wir haben keine Angst vor dem Eingriff, weil wir diese Katheteruntersuchung häufig durchführen und Erfahrung haben. Es besteht aber ein Risiko und kann in seltenen Fällen zu Schlaganfällen kommen. Daher muss eine klare Indikation für diese Behandlung vorliegen.

Welche Erfolgserlebnisse haben Sie in Ihrem Beruf?

Dr. Hennersdorf: Man kann akute Erkrankungen rasch und erfolgreich behandeln. Wenn ein Patient mit einem Herzinfarkt eingeliefert wird und sein Gesundheitszustand kritisch ist, können wir durch schnelles Handeln und Wiederöffnen des Gefäßes die Symptomatik sofort beenden. Dem Patienten geht es noch auf dem Kathetertisch sichtbar besser.

Welche Rolle spielt eine Überfunktion der Schilddrüse bei einer Herzkatheteruntersuchung?

Dr. Hennersdorf: Eine Schilddrüsenüberfunktion muss vorher behandelt werden. Wenn wir zum Beispiel mit jodhaltigem Kontrastmittel arbeiten, kann dies bei einer Schilddrüsenüberfunktion fatale Folgen haben.

Gibt es ein Entkalkungsmittel für die Blutgefäße – so wie für die Entkalkung eines Wasserkochers?

Prof. Koop: Die Kalkablagerungen in unserem Körper sind zum Teil ganz normal und hängen mit dem Alter zusammen. Diese Kalkbildung lässt sich aber durch unsere Lebensgewohnheiten positiv beeinflussen. Es ist ratsam, über die Ernährung den Cholesteringehalt niedrig zu halten und möglichst wenig Butter, Eier und Fleisch und besser Gemüse, Obst und Vollkornprodukte zu essen. Wer Diabetes hat, sollte sich zum Ziel setzen, den Blutzucker möglichst niedrig zu halten.

Wie viele Eier pro Woche darf man essen?

Prof. Koop: Ein Ei pro Woche ist unschädlich.

Im Januar habe ich ein Vorhofflimmern erlitten. Welche Behandlung ist ratsam?

Dr. Hennersdorf: Das Vorhofflimmern ist eine chaotische Art des Herzschlags, die im Vorhof des Herzens ihren Ursprung hat und dazu führt, dass die Herzkammer schnell, unregelmäßig und unrhythmisch schlägt. Diese Herzrhythmusstörung sollte bei erstmaligem Auftreten schnellstmöglich entweder medikamentös oder durch ein spezielles Elektroschockverfahren behandelt werden.

Wie können Patienten ihre Ängste nach einer Operation in den Griff bekommen?

Prof. Koop: Wir sehen immer wieder, dass Menschen nach einem Herzinfarkt starke Ängste haben. Sie sind verunsichert und fragen sich: Darf ich mich bewegen? Darf ich Sport treiben? Kann ich verreisen? Wie kann ich mein Leben weiterleben? Das sind große Ängste, die wir in Gesprächen wieder abbauen müssen. Das normale Leben muss wieder Einzug halten und weitergehen.

Was sind zu hohe Blutdruckwerte?

Prof. Koop: Der Blutdruck sollte unabhängig vom Alter einen Wert von 130/80 nicht überschreiten.

Wie kann man durch Bewegung den Blutdruck beeinflussen?

Prof. Koop: Ausdauersportarten wie spazieren gehen, Rad fahren, schwimmen und Gymnastik sind sehr gut geeignet, um die Hochdrucktherapie zu unterstützen und den Blutdruck wieder auf Normalwerte zu senken.