Notgroschen: Was kostet die Pflege zu Hause?

Rund um die eigene Altersvorsorge möchten die Menschen wissen, welche Ausgaben auf sie zukommen, wenn sie sich zu Hause versorgen lassen. Neben den Kosten für das Essen auf Rädern, eine Putzfrau und einen Hausnotruf ist die monatliche Rechnung eines ambulanten Pflegedienstes ein entscheidender Faktor.

 

Bei der ambulanten Pflege sind die einzelnen Tätigkeiten – vom morgendlichen Anziehen und Waschen bis zum Wechseln der Bettwäsche – in sogenannten Leistungskomplexen festgelegt. Jeder Komplex hat einen festen Preis, wobei die Pflegedienste unterschiedliche Preise haben. Bei unserer Patientin Mustermann aus dem Zahlenbeispiel kommt die Pflegerin morgens und abends. 948,92 Euro stellt der Pflegedienst dafür am Monatsende in Rechnung. Davon übernimmt die Pflegekasse 420 Euro (Zuschuss in der Pflegestufe 1), sodass ein Eigenanteil von 528,92 Euro zu zahlen ist.

30 x große Morgentoilette 30 x 16,52 = 495,60
30 x kleine Abendtoilette 30 x 8,26 = 247,80
10 Prozent Wochenendzuschläge = 19,82
Investitionskosten 30 x 1,53= 45,90
Anfahrt 60 x 2,33 = 139,80
  948,92

Claudine Hupe: Ich bleibe in meiner vertrauten Wohnung!

Vier Geschwister waren sie zu Hause, die von der Mutter allein groß gezogen wurden. Das bedeutete, man hatte immer jemanden zum Räuber und Gendarm Spielen, Kibbel-Kabbel und was man halt so gespielt hat. Aber die Kinder mussten auch mithelfen. Claudine Hupe hat damals in der Nachbarschaft kleinere Kinder gehütet. Für die 50 Pfennig, die es dafür pro Woche gab, wurden zum Sonntag Hefeküchlein gekauft. Das ist alles lange her. Heute hat sie viel Zeit zum einfach Dasitzen und Grübeln. Eine „vernünftige Puppe“, wie sie es nennt, hatte sie als Kind nie, darum hat sie sich in einer Seniorengruppe noch eine Puppe selbst gemacht. Mit Porzellankopf und Prinzessinnenkleid.

Ihr Mann ist 1991 gestorben. In einer kinderlosen Ehe, sagt sie, schließt man sich doch viel enger aneinander an; dann schneidet auch die Trauer schmerzhafter ins Herz. Nun wird auch der Freundeskreis naturgemäß immer kleiner. „Wer wird schon 95 Jahre alt?“, fragt sie.

„Lasst mich wenigstens das Essen noch allein kochen, sonst werde ich verrückt hier den ganzen Tag in der Wohnung, wenn ich gar nichts mehr zu tun habe“, hat sie bei der Einschätzung für die Pflegestufe gesagt. Sie ist gelernte Köchin, aber all die neuen, fremden Gewürze, die heutzutage verwendet werden, mag sie nicht so gern wie die vertraute, eigene Küche. Ein Umzug in ein „Altersheim“ kam für Claudine Hupe nicht infrage. Sie ist davon überzeugt, dass es dort immer noch so aussähe wie früher: „Drei Menschen in einem Zimmer? Niemals!“

Sie zahlt einen hohen Preis für das Bleiben im eigenen, vertrauten Umfeld. Mit den anderen Bewohnern im Haus, in dem sie wohnt, gibt es keinen Kontakt, keine Plauderei, keine gegenseitige Unterstützung. Das bedeutet: viele, viele Stunden Einsamkeit jeden Tag. Der Höhepunkt ihres Tagesablaufs ist das Eintreffen des Pflegedienstes. „Das ist das schönste am Tag“, sagt sie, „wenn der Pflegedienst kommt.“ Dann gibt es auch neue Hefte mit Kreuzworträtseln, die sie begeistert löst. Und es gibt ein kleines Gespräch. Zum Beispiel mit Benedict Barzec, dem Zivildienstleistenden, mit dem sie lebhaft über Politik und Nachrichten des Tages spricht, etwa über die Lage im Irak oder in Afghanistan. Claudine und Benedict verstehen sich gut und wenn er kommt, ist die Welt für eine kleine Weile wieder in Ordnung für Claudine Hupe.

 

Druckversion: 

Claudine Hupe und Zivi Benedict Barzec haben sich immer etwas zu erzählen.