»Ein Glück, dass ich gesund bin!«
Tobias Mitzlaff absolviert beim Verlag »Umsorgt wohnen« eine Ausbildung zum Bürokaufmann. Bereits in seiner ersten Arbeitswoche hat sich der 16-Jährige die Wachkoma- Abteilung von PFLEGEN UND WOHNEN in Wilhelmsburg (Hamburg) angesehen.
Am ersten Tag erfuhr ich schon, was wir in der Woche so ungefähr machen wollten. Was sich zuerst ganz gut anhörte. Als ich dann aber hörte, dass wir zu Wachkoma-Patienten fahren werden, war ich leicht entsetzt.
Ich wusste nicht, wie sich solche Leute verhalten, und ich hatte noch nie etwas Genaueres von ihnen gehört. Der Empfang durch die Leiterinnen der Wachkoma-Abteilung, Kerstin Lupp und Katja Reichelt, ist herzlich, so dass mir der Rundgang leichter fällt. Auf dem Flur sieht es wie in einem Krankenhaus aus. Die Zimmer sind aber persönlich eingerichtet, weil an den alten Sachen der häusliche Geruch hängt und sich die Bewohner wohler fühlen: Bilder, Möbel, Fernseher. Außerdem wird in den Zimmern Musik gespielt, so dass diese Menschen, die es eh schon nicht leicht haben, sich noch ein Stück vertrauter fühlen. Angehörige oder Pfleger können mit den Leidtragenden auch mal draußen in der kleinen Parkanlage sitzen.
Wachkoma- Patienten bekommen ja noch vieles mit, sie spüren beispielsweise die Sonnenstrahlen und den Wind. Bei Wachkoma-Patienten hat das Gehirn einen schweren Schaden erlitten, zum Beispiel bei einem Unfall, aufgrund einer Vergiftung oder weil es Komplikationen bei einer Operation gegeben hat – Sauerstoffmangel im Gehirn, Gehirnzellen sterben ab. Trotzdem haben diese Patienten noch Empfindungen und Gefühle, können aber oft nicht sprechen oder angemessen reagieren. Sie sind genauso wie wir tagsüber wach, und nachts schlafen sie. Es gibt natürlich auch Erfolge auf einer Wachkoma-Abteilung, wenn sich das Gehirn etwas erholt und die Arbeit von Ergotherapeuten, Logopäden und Krankengymnasten gut angeschlagen hat.
Ein Patient aus dem Pflegezentrum Wilhelmsburg hat es sogar geschafft, wieder ein paar Schritte zu gehen. Er konnte nach Hause entlassen werden. Das ist für alle Beteiligten ein voller Erfolg, aber eine große Ausnahme, denn man darf nicht vergessen, dass diese Menschen trotzdem immer auf Hilfe angewiesen sind.
Dieser Besuch war für mich belastend, und ich war froh, als ich wieder draußen war. Trotzdem habe ich dabei etwas gelernt: Ich bin vorsichtiger im Straßenverkehr. Denn ein paar Sekunden können ein ganzes Leben verändern.
»Snoezelnen« ist eine Art Tiefenentspannung, die sowohl auf Bewohner
und deren Angehörige als auch auf unsere Mitarbeiter aktivierend und
beruhigend wirkt, erklären Katja Reichelt (links) und Kerstin Lupp.


