Tagespflege: Anreize gegen das Alleinsein

Elisabeth Hintze fühlt sich geborgen

Elisabeth Hintze lebt in ihrer eigenen Wohnung. Die vertraute Umgebung ist ihr wichtig, hier möchte sie so lange wie möglich bleiben. Doch das Alleinsein wurde in den letzten Jahren immer mehr zum Problem: Aufgrund einer Gehbehinderung kann die 78-Jährige die Wohnung kaum noch allein verlassen.

Ähnlich geht es auch ihren gleichaltrigen Freunden, deshalb sind gegenseitige Besuche selten geworden. In der Zeitung fand die Seniorin vor einigen Monaten ein noch wenig bekanntes Betreuungsangebot: die Tagespflege. Die Gäste werden morgens mit einem rollstuhlgerechten Bus abgeholt und am Nachmittag wieder nach Hause gebracht. Ein gemeinsames Frühstück und Mittagessen, Gymnastik, Tanzen, Singen, Spiele, Gedächtnistraining, hauswirtschaftliche Tätigkeiten und Ausflüge stehen auf dem Programm.

Elisabeth Hintze gönnt sich zweimal in der Woche dieses Betreuungsangebot und ist begeistert: »Hier ist immer was los. Das Personal und die anderen Teilnehmer sind sehr nett.« Tochter Angelika Koops ist über diese Entwicklung sehr froh: »Seitdem meine Mutter hierher geht, ist sie viel aktiver geworden. Wenn ich ihre Wohnung putze, hilft sie neuerdings mit. Ich bin entspannter, denn das schlechte Gewissen und die Sorge, dass meine Mutter allein in der Wohnung sitzt und ihr etwas zustößt, sind geringer geworden.« Pflegedienstleiterin Birgit Fenner weiß, dass ältere Menschen Hemmungen haben, zum ersten Mal in die Tagespflege zu gehen.

Deshalb gibt es »Schnuppertage«, um auszuprobieren, ob einem das Angebot zusagt und ob man sich dort wohlfühlt. »Bei den meisten Gästen dauert es etwa vier Wochen, bis sie sich an den veränderten Tagesablauf und die Gruppe gewöhnt haben. Doch dann wird die Tagespflege schnell zu einem zweiten Zuhause.« Außerdem wirken sich die Anreize, die so ein Tag bietet, ausgesprochen positiv aus – sowohl bei den alleinlebenden als auch bei den dementen Senioren: »Die Menschen sind aktiver, können ihr Leben zu Hause wieder besser meistern«, freut sich Fenner.

Ein Tag mit Bustransfer, zwei Mahlzeiten, Pflege und Freizeitangebot kostet durchschnittlich 65 Euro. Zuschüsse der Pflegekasse werden nur für den pflegebedingten Aufwand gezahlt. Die maximalen Zuschüsse betragen monatlich: Stufe I € 420,–; Stufe II € 980,–; Stufe III € 1.470,–. Es besteht die Möglichkeit, Tagespflege und ambulante Pflege zu kombinieren. Bis zu 50 Prozent mehr Zuschüsse gibt es dafür, sofern ein Schwerpunkt auf die Tagespflege gelegt wird. Auch die »zusätzlichen Leistungen bei Demenz« können zur Bezahlung verwendet werden.

»Meine Mutter ist für die Tagespflege Feuer und Flamme«, sagt
Angelika Koops.