Jung fragt Alt: Erinnern Sie sich noch an Ihr erstes Taschengeld?

Taschengeld ist für Kinder und Jugendliche heute selbstverständlich. Doch wie war das vor 60 Jahren? Die Auszubildenden Sara Schenker (Immobilienkauffrau, 2. Lehrjahr) und Lukas Westermann (Bürokaufmann, 1. Lehrjahr) haben beim Verlag Umsorgt wohnen ein Praktikum zum Thema Öffentlichkeitsarbeit absolviert. Bei einer Straßenumfrage haben die 21- und 18-Jährigen erfahren, dass die jungen Menschen es vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg nicht leicht hatten.

Elfriede Greitsch (74): „Wir waren zehn Geschwister. Da gab es kein Taschengeld, doch meinen Enkeln stecke ich gern mal etwas zu.“

„Taschengeld? So was gab es damals gar nicht!“ Mit diesem Satz überraschte uns gleich zu Beginn der Umfrage Wilma Beth. Als Schülerin suchte sich die heute 84-Jährige deshalb Arbeit bei Familien in der Nachbarschaft und half beim Abwasch. Dafür bekam sie 50 Pfennige, was damals „viel Geld“ war. Davon konnte sie sich einen schönen Tag auf dem Jahrmarkt machen.

Im Alter von zwölf Jahren bekam diese Passantin eine Mark Taschengeld – an jedem Donnerstag. „Ich bin noch am gleichen Tag losgelaufen, um mir eine Karte für die 3. Reihe in dem deutschen Drama ,Vergiss mein nicht’ zu kaufen.“

Taschengeld war in den Dreißiger- und Vierzigerjahren die Ausnahme. Über eigenes Geld konnte die Jugend von damals dann während oder in einigen Berufen sogar erst nach der Lehre verfügen. Elfriede Greitsch erinnert sich noch genau an ihr erstes Lehrlingsgehalt in den Fünfzigerjahren: „Ich war 16 Jahre alt, lernte Blumenbinderin und verdiente zwölf Mark pro Woche. Davon wanderten zehn Mark in die Haushaltskasse meiner Eltern.“ So war es in vielen Familien. „Von den verbliebenen zwei Mark erfüllte ich mir den Wunsch nach schicker Unterwäsche und Seidenstrümpfen.“

Niemand war bei dieser Umfrage traurig oder erinnerte sich ungern an die eigene, weit zurückliegende Jugend. Vielmehr erzählten die Passanten gern von ihrer Kindheit und berichteten mit Stolz von dem ersten selbst verdienten Geld, mit dem sie sogar die Familie unterstützt haben. Gern geben die Senioren heute ihren Enkeln Taschengeld, obwohl sie selbst nie welches zur Verfügung hatten. Wir, die Autoren dieses Berichtes, gehören zu genau dieser Generation der Enkel und freuen uns sehr über die gelegentliche finanzielle Unterstützung. Das wissen wir umso mehr zu schätzen, nachdem wir die Geschichten von damals gehört haben. Wir hoffen, dass wir unseren Kindern und Enkeln diesen finanziellen Rückhalt ebenfalls irgendwann ermöglichen können.

Wilma Beth: „Auf dem Jahrmarkt konnte ich mit 50 Pfennigen viel anfangen. Am besten waren die Sahnebonbons!“