Alle lieben Lilly! - Hundebesuch im Altenheim

Als Gaby Lehmann vor drei Jahren ihren Welpen Lilly mit zur Arbeit genommen hatte, stürzten sich die Altenheimbewohner auf die junge Hündin. Alle wollten das Tier streicheln. Das flauschige Fell löst offenbar Gefühle von Weichheit und Zärtlichkeit aus. Außerdem fiel seiner Besitzerin auf, dass der Neufundländermischling besonders sanft mit kranken Menschen umging. Lilly besitzt offenbar eine Art siebten Sinn, schwache Wesen als solche wahrzunehmen und beschützen zu wollen.

Gaby Lehmann freut sich, dass sich Edith Nellssen und Lilly gut verstehen. „Ich hatte auch mal einen Schäferhund und eine Katze“, erinnert sich die 83-Jährige.

Inzwischen ist Lilly zum Therapiehund ausgebildet worden und besucht mit Gaby Lehmann im Rahmen ihrer Arbeit als Therapeutin die Altenheimbewohner. „Es ist erstaunlich, wie der Hund die Herzen besonders der Demenzkranken erreicht“, erzählt Lehmann. Nachmittags ab 14:30 Uhr gehen Lilly und Gaby von einem Apartment zum nächsten und wecken zärtlich die Bewohner. Menschen, die passiv geworden sind und kaum aufstehen mögen, sehen den Hund, strahlen plötzlich übers ganze Gesicht. Sie stehen auf, wollen den Hund streicheln und mit ihm spazieren gehen. Demenzkranke kommen oft nur schwer mit den Nachbarn in ihrer Wohngruppe ins Gespräch. Auch gegen diese Sprachlosigkeit hilft die Anwesenheit des Vierbeiners. Was frisst der Hund? Hat Lilly Freunde? Was macht sie, wenn sie allein zu Hause ist? „Über den Hund kommen Gespräche in Gang“, berichtet die erfahrene Therapeutin. Wenn Lilly dann wieder weg ist, spürt man, dass es den Senioren besser geht. Sie sind ausgeglichener. Einige von ihnen sind innerlich ganz ruhig geworden. Eine Bewohnerin zittert so stark, so dass sie kaum eine Zigarette oder eine Kaffeetasse mit einer Hand halten kann. Wenn der Hund da war, ist diese Unruhe fast verschwunden. So ein Tier vermittelt Ausgeglichenheit, gibt Auftrieb und Lebensmut. Der Besuch des Vierbeiners hilft besonders den demenzkranken Menschen aus der Isolation heraus.

Gaby Lehmann bringt ihren großen, schwarzen Hund ein bis zweimal pro Woche mit ins Altenheim. Für das Tier sind diese Besuche harte Arbeit. Nach einer Stunde im Pflegeheim muss Lilly dann dringend ausgiebig im Park toben.