Betreutes Wohnen – ja, aber bitte zu Hause! Das sagt Ilse Fridrich.
„Ich will aufstehen und ins Bett gehen, wann ich will. Ich will meinen Garten und meinen Hund um mich haben“.
Ilse Fridrich lebt in Kühlungsborn an der Mecklenburgischen Ostseeküste. Gleich hinter ihrem Grundstück schnauft und bimmelt die Schmalspurbahn Molli vorbei. 1980 hat sie, kurz vor ihrem Renteneintritt, »außerplanmäßig« einen Bungalow mit dreieinhalb Zimmern für sich und ihre Mutter bauen können. »Das sollte unser Alterswohnsitz werden. Es gab keine Materialzuweisungen, und wer in der DDR gelebt hat, weiß, was das damals bedeutete«, erklärt die heute 90-Jährige. Am 2. Mai war Baubeginn und am 1. November sind Mutter und Tochter eingezogen: »Ich hatte Kaffee gekocht, der Fernseher lief, die Heizung funktionierte. Nach zwei Stunden meinte meine Mutter, dass wir doch jetzt mal langsam nach Hause gehen sollten. Ich habe ihr gesagt, dass wir jetzt hier zu Hause seien und ob sie denn nicht ihre Möbel erkenne. Danach hat sie nie wieder nach unserem alten Haus gefragt.«
Ilse Fridrich will in ihrem Haus schalten und walten, wie sie will. »Ich will aufstehen und ins Bett gehen, wann ich will. Ich will meinen Hund und meinen Garten um mich haben.« Haus und Garten zu bewirtschaften, ist ihre Lebensaufgabe. Zum Beispiel als vor Kurzem die Heizung komplett ausfiel und ausgetauscht werden musste. Ilse Fridrich weiß, was sie will, nimmt die Dinge in die Hand, holt Kostenvoranschläge ein, dirigiert die Handwerker und sorgt für die Finanzierung. Dabei sagt sie über ihre körperlichen Gebrechen: »Ja, ich habe zwei angebrochene Rückenwirbel und manchmal wird mir schwindelig, aber das ist altersbedingt und da kann mir sowieso kein Arzt helfen. Damit muss ich lernen zu leben.« Nach einem Sturz kam morgens ein Pflegedienst und half vorübergehend beim Anziehen, doch das »wollte ich nicht länger als nötig. Es dauert zwar länger, wenn ich mich allein anziehe, aber die Zeit dafür muss ich mir nehmen, dafür bin ich unabhängig.« Stolz zeigt Ilse Fridrich zwei wesentliche Erleichterungen im Badezimmer: »Ich hatte Schwierigkeiten, aus der Badewanne hochzukommen und von der Toilette aufzustehen.« Den Badewannenlifter und eine Toilettensitzerhöhung hat der Arzt verschrieben. »Um so etwas auf Rezept von der Krankenkasse zu erhalten, ist man auf eine gewisse ›Flüsterpropaganda‹ angewiesen. Denn von allein sagt einem das ja keiner.«
Das Betreute Wohnen mit Freizeitprogramm kommt für Ilse Fridrich nicht infrage. Sie fühlt sich von ihren Nachbarn gut betreut: »Wenn ich morgens etwas länger schlafe und bis um zehn Uhr noch keinen Piep von mir gegeben habe, klingelt das Telefon und meine Nachbarn erkundigen sich, ob sie sich Sorgen machen müssen. Außerdem werde ich immer wieder gefragt, ob ich etwas brauche, das wird mir dann mitgebracht.«
Das Interview mit Ilse Fridrich:
