Risiko beim Wenden und Rückwärtsfahren
Das Auto bedeutet Mobilität, gerade wenn man nicht mehr so gut zu Fuß ist. Wann aber sollte man den Führerschein abgeben?
»Das Autofahren ist für uns sehr wichtig«, sagt Elfi Walther (76), »ob wir nun zu den Kindern fahren, die auf dem Land wohnen, oder ich wie neulich meinen Mann Günter zum Arzt fahren musste.« Damit spricht sie vielen Senioren aus der Seele, denn das Auto bedeutet Mobilität, gerade wenn man nicht mehr so gut zu Fuß ist.
Ortwin Schmidt ist bei der Verkehrsdirektion 6 in Hamburg für Unfallprävention zuständig und hat beobachtet, dass ältere Autofahrer seit einigen Jahren genauso oft in Unfälle verwickelt sind wie der Durchschnitt der Autofahrer. Der Hauptgrund dafür ist, dass Menschen ab dem 65. Lebensjahr verstärkt am Leben und damit auch als Autofahrer am Straßenverkehr teilnehmen. Wenn es kracht, sind Senioren zu 71 Prozent Schuld, mit zunehmendem Alter (bei den 80- bis 89-Jährigen) steigt dieser Anteil auf 81 Prozent. Elfi Walther fragt besorgt: »Müssen wir jetzt den Führerschein abgeben?« Ortwin Schmidt kann sie beruhigen: »Das können Sie am besten beurteilen und dabei sollten Sie auf den Rat Ihrer Ärzte hören.« So ist gutes Sehen eine Vorbedingung, um sich hinter das Steuer setzen zu dürfen. Außerdem sollten ältere Menschen wissen, dass sie altersbedingt langsamer reagieren und dass auch Tabletten zur Trägheit beim Autofahren führen können.
Ein Blick in die Unfallstatistik zeigt, dass ältere Menschen als Fußgänger kaum Fehler begehen. Als Autofahrer halten sie die vorgeschriebene Geschwindigkeit ein, wechseln fast immer korrekt die Spur und beachten die Vorfahrt. Auch beim Abbiegen wissen sie aus Erfahrung, dass dabei Fußgänger und Radfahrer zu berücksichtigen sind. Allerdings gehört das Wenden und Rückwärtsfahren nicht zu den Stärken von Senioren. Verkehrsexperte Schmidt erklärt diese Hauptunfallursache so: »Vielen älteren Menschen fällt der Blick über die Schulter schwer, da die Beweglichkeit im Nacken nachlässt.« Zum Glück kommt es bei diesen Unfällen auf Parkplätzen oft nur zu Blechschäden. Wesentlich schlimmer sind allerdings die Unfallfolgen bei verkehrswidrigen Wendemanövern. »Wer sich in der Stadt verfahren hat, ist oft überfordert«, erklärt der Fachmann.
Gewisse körperliche und geistige Einschränkungen gleichen Senioren durch große Erfahrung im Straßenverkehr aus. Wer gesund ist, sollte die typischen Unfallursachen seiner Altersgruppe kennen, um die Momente der eigenen Überforderung richtig abzuschätzen. Und damit wünscht Polizeihauptkommissar Schmidt gute Fahrt!
