Benimmregeln - Trost spenden im Trauerfall – aber richtig
Trösten kann einfach sein. Lassen Sie den Trauernden erzählen, und schließen Sie den Verstorbenen nicht als Tabuthema aus dem Gespräch aus.
Susanne Heinrich (41) hat vor 14 Jahren ihren Mann aufgrund einer Krebserkrankung verloren. Die Erfahrung der damals 27-Jährigen: Arbeitskollegen, Bekannte und sogar Freunde erwarteten von ihr, dass sie sie verschont. Einige von ihnen waren unsicher, wie sie sich ihr gegenüber verhalten sollten. »Ich habe erlebt, dass Nachbarn in ihren Wohnungen verschwunden sind, als ich zur Haustür hereinkam.« Manche Menschen glauben, man trauere zu viel, andere hingegen denken, es sei zu wenig.
In der Schule wird nicht gelehrt, wie man mit seinen Mitmenschen im Falle von Krankheiten, einem Trauerfall oder Arbeitslosigkeit umgeht. Es entsteht oft ein Befremden, weil man nicht weiß, wie man den Betroffenen am besten anspricht. Doch ganz einfache Benimmregeln können helfen. Ein Anruf und die Frage, wie es dem Leidtragenden geht, löst die Sprachlosigkeit oft auf. Auch die Frage, ob derjenige überhaupt darüber reden möchte, macht es beiden Seiten leichter. Selbst wenn man nicht so vertraut miteinander ist, signalisiert eine Karte oder ein Brief: Wir denken an dich.
Wer Menschen in der Krise helfen will, erreicht viel, wenn er nur zuhört und auf die Erteilung gut gemeinter Ratschläge verzichtet. Tipps (»Das wird schon wieder …«) oder ›Nebenkriegsschauplätze‹ (»Kenne ich, meine Nachbarin hatte das auch und bei der war das noch viel dramatischer …«) beenden das Gespräch schnell. Der Betroffene möchte nämlich nur erzählen, was ihm selbst auf der Seele brennt.
Die meisten Menschen schaffen es nach einiger Zeit, mit Schicksalsschlägen fertig zu werden. Gesundheitliche Krisen und Trauer dauern oft länger, als es das Umfeld wahrhaben will. Doch auch Jahre nach dem Tod des Ehepartners darf man an ihn erinnern: »Weißt du noch, wie wir im Sommer gegrillt haben?« Auch nachdem der Kranke schon wieder fit ist, ist die Frage »Wie geht es dir heute?« erlaubt.
Für Susanne Heinrich gab es damals auch positive Erlebnisse: »Meine Tochter ging in die Kindergruppe. Eine Mutter hat mich angesprochen und wollte wissen: ›Darf ich Sie auf den Tod Ihres Mannes ansprechen? Möchten Sie mit mir darüber reden oder nicht?‹ – Mit diesen Fragen konnte ich gut umgehen.« Die Trauer ist inzwischen gewichen. Ihr verstorbener Ehemann, Thino Heinrich, wird immer ein Teil ihres Lebens bleiben. Die gemeinsame, heute 15-jährige Tochter ist für die Mutter ein großes Geschenk dieser Ehe.
