Familie erfüllt einer alten Dame größten Wunsch

„Wir haben die Vorbereitungen für einen Umzug ins Heim gestoppt und kurzfristig Pflege sowie Betreuung daheim organisiert.“

Margarete Osewald (links) lebt mit 95 Jahren noch in ihrer eigenen Wohnung, während die Freundin Marianne Mertens (88) ins Altenheim gezogen ist. Neffe Thomas Wendt unternimmt mit den Damen einen Ausflug an die Elbe.

Vor fünf Jahren hatte Margarete Osewald einen leichten Schlaganfall. Tapfer hat die damals 90-Jährige die Behandlung im Krankenhaus überstanden und bei der Rehabilitation mit vollem Einsatz mitgearbeitet. Am Ende dieser fünfwöchigen Behandlung meinte die Familie, dass bei so einer Erkrankung der Umzug ins Altenheim unausweichlich sei. Doch weit gefehlt: In den letzten Tagen der Reha spürte Neffe Thomas Wendt, wie die Lebensgeister bei seiner Tante zurückkehrten. „Wir haben die Vorbereitungen für einen Umzug ins Heim gestoppt und kurzfristig Pflege sowie Betreuung daheim organisiert.“ Die langjährige Putzfrau, ein Menüdienst, eine Logopädin, der Hausarzt, der Pflegedienst, Nachbarn und Freunde standen von einem auf den anderen Tag bereit, um behilflich zu sein. Am Anfang war es für die pensionierte Lehrerin schwierig, sich in der vertrauten Umgebung wieder zurechtzufinden. Zahlreiche Handgriffe und Gänge mussten neu erlernt werden. Doch nach etwa einem Jahr hatte sich der Gesundheitszustand so weit verbessert, dass Margarete Osewald in ihrer geliebten 3-Zimmer-Wohnung wieder zurechtkommt.

Zahlreichen Angehörigen fällt es schwer, in so einer Situation angemessen zu handeln. Natürlich ist es ein Schock, wenn die eigene Mutter plötzlich tüdelig geworden ist oder der Onkel nach einem Schlaganfall scheinbar gar nichts mehr kann. Doch man sollte nicht übersehen, dass jeder Patient Selbstheilungskräfte besitzt. Zunächst sind die ärztlichen, pflegerischen und therapeutischen Erfolge abzuwarten. Außerdem kann es auch noch Monate nach so einem Klinikaufenthalt gesundheitliche Verbesserungen geben. Eine Familie muss nicht am ersten Behandlungstag eine Lösung für das Wohnen danach parat haben.

Margarete Osewald ist froh, in ihrer geliebten Wohnung schalten und walten zu können. Zwischendurch stellte sich die Frage, ob ein Umzug ins Heim nicht doch sinnvoll sei, weil die alte Dame hin und wieder über das Alleinsein klagt. Doch mit einem Umzug ist dieses Problem nicht gelöst. Denn Margarete Osewald möchte kaum noch Menschen um sich herum haben. Die vertrauten Personen gern, aber keine neuen Nachbarn im Heim. „Da bin ich ja nur mit alten Menschen zusammen. Nein, das kommt für mich nicht in Frage“, sagt die 95-Jährige immer, wenn sie ihre Freundin Marianne im Altenheim besucht.