2. Lehrjahr in der Altenpflegeschule

Anatomie, Medikamentenkunde, Krankheitslehre, Recht, Ethik, Ernährung und Geriatrie stehen in der Berufsschule auf dem Stundenplan.

In der Klausur zum Thema Lunge und Lungenerkrankungen mussten die 25 Auszubildenden der Klasse 9a der Altenpflegeschule Hamburg-Alstertal heute zeigen, was sie können. Wer sein Examen als Altenpfleger machen möchte, muss sich dazu im Rahmen einer dreijährigen Ausbildung ein solides Grundwissen aneignen: Anatomie, Medikamentenkunde, Krankheitslehre, Recht, Ethik, Ernährung und Geriatrie stehen im Blockunterricht der Berufsschule auf dem Stundenplan. Im Rahmen der praktischen Arbeit im Altenheim kann die Theorie dann sofort umgesetzt werden. Erstaunlich ist dabei, wie engagiert sich junge Menschen mit den schwierigen Seiten des Alters auseinandersetzen, um pflegebedürftigen Senioren fachlich fundiert zur Seite zu stehen.

Lehrerin Timea Päsch erklärt ihren Schülern, wie sich das Gehirn bei einer Demenz verändert.

Aus ganz unterschiedlichen Gründen haben sich die Schüler für diese anspruchsvolle Berufsausbildung entschieden: Als der Großvater von Gülsen Koca krank und bettlägerig wurde, hatte seine Enkelin nicht verstanden, was im letzten Lebensabschnitt ihres geliebten Opas genau passiert war. Über ein Freiwilliges Soziales Jahr im Krankenhaus hat die 26-Jährige dann den Zugang zur Altenpflege gefunden. Auch Maria Perez drückt noch einmal die Schulbank. Die 43-Jährige hat lange als Altenpflegehelferin gearbeitet, durfte aber weder Medikamente verabreichen noch Spritzen geben. Ein guter Grund für sie, sich weiterzubilden.

Einfach ist der Beruf nicht. Das haben die jungen Schüler schon erfahren. Man arbeitet unter Zeitdruck, besonders am Wochenende oder wenn Kollegen krank geworden sind. Außerdem muss man erst lernen, mit den Stimmungen der Menschen, insbesondere der an Demenz erkrankten, angemessen umzugehen. Anerkennung für die geleistete Arbeit gibt es trotzdem: „Wenn ein Bewohner lächelt, ist das seine Art, Danke zu sagen“, betont die ganze Klasse.

Mit einer Ausbildungsvergütung von bis zu 800 Euro brutto bestreiten die Azubis im 2. Lehrjahr ihren Lebensunterhalt. „Ich verdiene 580 Euro netto“, erklärt Phillip Kröner (19), hinzukommen Kindergeld und Unterhalt vom Vater, „was ich aber zu Hause für mein Zimmer und die Mahlzeiten abgebe.“ Einige Auszubildende müssen zusätzlich eine Wohnung bezahlen, weil die Eltern außerhalb wohnen. Entspannter ist die finanzielle Situation dann mit dem Examen in der Tasche. Berufsanfänger verdienen bis zu 2.300 Euro brutto pro Monat, Wochenend- und Schichtzulagen gibt es extra. Außerdem bietet das Gesundheitswesen sichere Arbeitsplätze sowie berufliche Aufstiegsmöglichkeiten, zum Beispiel zum Wohngruppen- oder Pflegedienstleiter.