Demenz: Tipps vom Pflegeprofi
Angehörige sind schnell überfordert, wenn ein Familienmitglied tüdelig geworden ist. Doch wer das Prinzip der Krankheit verstanden hat, kann den richtigen Umgang mit Demenz lernen.
Regine le Francois arbeitet als Altenpflegerin in der Seniorenwohnanlage Langenhorn der Vereinigten Hamburger Wohnungsbaugenossenschaft (vhw). Sie ist Fachkraft für Gerontopsychiatrie (psychische Erkrankungen von älteren Menschen) und gibt praktische Tipps.
Zu Beginn einer Demenzerkrankung haben die Menschen häufig Probleme mit dem Denken, dem Kurzzeitgedächtnis, oder sie können nicht mehr rechnen. Aber der Antrieb, etwas tun zu wollen, und die Gefühle sind noch da. Und so erleben die entsetzten Angehörigen oft, dass der Demenzkranke unruhig ist, ständig seine Sachen packt und weglaufen will. An diesem Punkt kommt es nun darauf an, einen Zugang zu diesem Menschen zu finden. „Wenn ein demenzkranker Bewohner bei uns eingezogen ist und wegläuft, um in seine alte Wohnung zu kommen, unternehme ich mit ihm gemeinsam einen Rundgang im Stadtteil. Wenn wir zurückkommen, ist derjenige froh, sich hinsetzen und erholen zu können.“ Tipp von Regine le Francois: „Spaziergänge sind ideal, um Bewegungsmangel und innere Unruhe zu bekämpfen.“
Wenn der Therapiehund ins Altenheim kommt, stehen die Bewohner auf und wollen ihn streicheln. Es ist kaum zu erklären, warum die Menschen nach einer Stunde mit dem Hund vollkommen ruhig und ausgeglichen sind. Tipp: Gehen Sie mit einem Demenzkranken dorthin, wo Tiere sind. Zu Freunden, die eine Katze haben, oder in einen Streichelzoo.
Es geht nicht um die Heilung dieser schweren Erkrankung des Gehirns, sondern darum, den Moment zu genießen. Tipp: Schöne Erinnerungen können mit einfachen Mitteln geweckt werden, zum Beispiel mit Musik oder einem Fotoalbum. Sie werden sehen, worauf Ihr Angehöriger positiv reagiert.
Regine le Francois versucht, die Gefühle ihrer Bewohner zu teilen, Misstrauen abzubauen und sich Vertrauen zu erarbeiten. Ihr Tipp: Auch Menschen, die ihr Leben lang immer etwas distanziert waren, mögen im Alter körperliche Nähe. Eine Umarmung wirkt oft Wunder.
