Hohen Blutdruck spürt man nicht
Man spricht von Bluthochdruck, wenn der Wert höher als 140/90 liegt, wobei der Idealwert 120/80 beträgt.
Was ist Bluthochdruck?
Dr. Ann-Kathrin Meyer [Fachärztin für Innere Medizin und Altersheilkunde]: Man spricht vom Bluthochdruck, wenn der Wert höher als 140/90 liegt, wobei der Idealwert 120/80 beträgt.
Unser Herz sorgt dafür, dass das Blut durch den Körper gepumpt wird, alle Organe genügend Sauerstoff und Nährstoffe erhalten. Damit das funktioniert, schlägt das Herz beim gesunden Menschen 60 bis 80 Mal pro Minute und bewegt dabei fünf bis sechs Liter Blut. Bei jedem Herzschlag zieht sich das Herz zusammen und presst Blut in die Arterien, die Schlagadern dehnen sich aus. Der dabei entstehende Druck wird als oberer, systolischer Blutdruckwert bezeichnet. Wenn das Herz erschlafft und die Gefäße wieder ihren Normalzustand erreichen, wird der untere, diastolische Druckwert gemessen.
Welche Ursachen führen zum Bluthochdruck?
Dr. Meyer: Als erstes ist die Vererbung zu nennen. Des Weiteren Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen und Stress. Dann spielen Nieren- und Stoffwechselkrankheiten, wie zum Beispiel eine Überfunktion der Schilddrüse, eine große Rolle.
Aber auch das Älterwerden trägt seinen Teil dazu bei, dass jeder zweite über 50-Jährige an Bluthochdruck leidet. Die Blutgefäße werden porös und die Elastizität lässt nach. Dadurch gibt es vermehrt Ablagerungen in den Adern, die zu Verengungen führen. Das wiederum erhöht den Blutdruck.
Warum hilft ein hoher Blutdruck nicht, die Ablagerungen wegzuspülen? Wenn man beim Gartenschlauch ordentlich den Druck erhöht, kommt doch auch der ganze Dreck heraus.
Dr. Meyer: Beim Gartenschlauch mag das so funktionieren, aber auch der wird porös, wenn man das Wasser dauernd mit Überdruck durchlaufen lässt. Unsere Blutgefäße sind nicht auf Dauerdruck ausgelegt. Es entstehen kleine Schleimhautrisse, an denen sich Blutpartikel ablagern, und die neigen dann dazu zu verkalken (Arteriosklerose). Das dauert Jahrzehnte.
Zu welchen Spätfolgen führt diese Krankheit?
Dr. Meyer: Man fühlt sich zwar gut, aber die Spätfolgen sind nicht zu unterschätzen. Bei Werten über 140/90 sprechen wir von der Krankheit Hypertonie, die Blutgefäße werden geschädigt. Das Risiko von Schlaganfall, Demenz, Herzinfarkt und Durchblutungsstörungen steigt erheblich.
Wie merkt man, ob man Bluthochdruck hat?
Dr. Meyer: Das Tückische am Bluthochdruck ist, dass man ihn nicht spürt, er tut nicht weh. Einige Patienten spüren Kopfschmerzen, wenn der obere Wert bei über 200 liegt. Man sollte regelmäßig seinen Blutdruck messen lassen.
Kann man mit einem vererbten, leicht erhöhten Blutdruck leben?
Dr. Meyer: Ja, wenn Sie jetzt um die 50 Jahre alt sind, werden Sie damit in den nächsten Jahren gut leben können. Aber bedenken Sie, was in 20 bis 30 Jahren sein wird.
Auch Sie können die Risiken für Spätfolgen senken, indem Sie sich regelmäßig bewegen und für eine gesunde Ernährung sorgen. Hinzu kommen blutdrucksenkende Medikamente. Oft geben sich Patienten und Ärzte mit einem zu hohen Wert zufrieden, sie erlahmen in ihren Bemühungen, eine bessere Lösung zu finden. Bleiben Sie am Ball!
Was kann ich rund um die Ernährung tun?
Dietmar Möller [Koch im Altenheim]: Verzichten Sie auf Fertiggerichte. Diese enthalten viele gehärtete Fette, die wiederum Plaque in den Blutgefäßen und somit eine Verengung verursachen. Kochen Sie wie früher mit frischen Zutaten. Würzen Sie mit Kräutern und benutzen Sie beim Braten wenig Fett.
Was ist an Kräutern so gut?
Möller: Der Salzverbrauch lässt sich reduzieren, indem man mit Kräutern würzt. Das Salz steht sehr im Vordergrund und überdeckt den Geschmack des Essens. Kräuter haben auch einen angenehmen Geruch und einen guten Geschmack, was das Wohlbefinden steigert.
Wie soll man mit Sport anfangen, wenn man eine jahrelange Pause diesbezüglich eingelegt hat?
Rosi Erdmann [Leiterin einer Herzsportgruppe]: Beginnen Sie langsam und vorsichtig. Überfordern Sie sich nicht, sodass Sie nicht außer Atem kommen. Fangen Sie doch einfach einmal wöchentlich an, zum Beispiel mit zehn Minuten, und steigern Sie die Bewegung langsam.
Welche Sportarten eignen sich besonders gut bei Hypertonie?
Erdmann: Alles, was mit Ausdauer zu tun hat: Nordic Walking, Laufen, Schwimmen, Radfahren und Inlineskating. Ich bin ein Fan von Nordic Walking. Das ist in jedem Alter möglich. Man ist an der frischen Luft und kann das gut in der Gruppe machen.
Kann ich mit Bluthochdruck in die Sauna?
Dr. Meyer: Grundsätzlich ja, wenn Sie sich bei den Temperaturen wohlfühlen. Die Hitze erweitert die Gefäße und das senkt den Blutdruck. Für jemanden, der das nicht gewohnt ist, kann Sauna Stress bedeuten, das ist wenig förderlich.
Ich trete jeden Tag kräftig auf meinem Heimtrainer in die Pedale und spiele Fußball. Warum habe ich trotzdem einen hohen Blutdruck?
Erdmann: Stellen Sie beim Heimtrainer einen geringen Widerstand ein, um ein Ausdauertraining zu erreichen. Bei zu hohem Widerstand betreiben Sie zu viel Krafttraining, das erhöht den Blutdruck.
