Die Verdauung beginnt im Mund

Nach etwa 10 Jahren kann sich aus den Polypen im Darm Krebs entwickeln. Diese Polypen können im Rahmen einer Darmspiegelung entfernt werden.

Wenn von der Speiseröhre über den Magen bis zum Darm Beschwerden auftreten, versuchen die Menschen oft, die Symptome selbst zu deuten. Doch mit Selbstdiagnosen wird wertvolle Zeit verschenkt. »Klarheit bringt nur eine frühzeitige endoskopische Untersuchung, dann lässt sich eine Erkrankung meist noch mit Medikamenten erfolgreich behandeln«, erklärt Dr. Boris Brand. Auf dem forum am hafen in der Schön Klinik Hamburg-Eilbek haben 220 Leser ihre persönlichen Fragen gestellt. Die Experten gaben Auskunft über Diagnoseverfahren, Behandlungswege, Schlüssellochoperationen und gesunde Ernährung. Beruhigend ist, dass wir mit Ernährung und Bewegung viel tun können, um Erkrankungen im Magen-Darm-Bereich vorzubeugen.

Darmkrebs ist heilbar!

Nachdem unsere Nahrung den Magen verlässt, passiert sie den etwa sechs Meter langen Dünndarm und danach eine 1,20 Meter lange Strecke zur Eindickung, die wir Dickdarm nennen. In diesem Teil des Darms bilden sich ab dem 50. Lebensjahr Polypen. Das sind zunächst harmlose Zellwucherungen, die stielförmig mit der Darmwand verbunden sind. Wir fühlen uns gesund, es gibt keine Blutungen oder Beschwerden. Erst nach etwa zehn Jahren kann sich aus solchen Polypen ein bösartiges Krebsgeschwür entwickeln. Die gutartigen Polypen lassen sich im Rahmen der Krebsvorsorge durch endoskopische Untersuchungen rechtzeitig entdecken und entfernen. So kann der Darmkrebs besiegt werden, bevor er entsteht. Dazu wird dem Patienten durch die natürliche Körperöffnung ein 1,20 Meter langes Endoskop eingeführt, das den Dickdarm Zentimeter für Zentimeter ausleuchtet und absucht.
Viele Menschen finden die Vorstellung so einer Untersuchung unangenehm. Doch wer diese Prozedur schon einmal hinter sich gebracht hat, weiß, dass er von der Untersuchung dank moderner Schmerz- und Narkosemittel nichts mitbekommt. Lediglich die Vorbereitung, am Tag zuvor mehrere Liter Abführmittel zu trinken, um den Magen-Darm-Trakt zu reinigen, wird als unangenehm empfunden.
Die Krankenkassen zahlen die endoskopische Vorsorgeuntersuchung für ihre Mitglieder ab dem 55. Lebensjahr. Wer jünger und erblich vorbelastet ist oder Magen-Darm-Probleme hat, kann sich ebenfalls auf Chipkarte untersuchen lassen.

Divertikel-Erkrankungen

Die Schleimhaut des Dickdarms stülpt sich durch Muskellücken der Darmwand aus. Fast jeder Mensch hat im höheren Alter oder erblich bedingt diese kleinen sackförmigen Ausstülpungen in der Darmwand, die jedoch meistens keine Beschwerden auslösen. Wenn sich diese Divertikel vergrößern und an einer ungünstigen Stelle liegen, kann sich Stuhl in so einer Tasche festsetzen. Zu den dann auftretenden Beschwerden zählen Blähungen, Bauchschmerzen, besonders im linken Unterbauch, oder Verstopfungen im Wechsel mit Durchfällen. Im fortgeschrittenen Stadium kann es wiederholt zu Entzündungen kommen. Es besteht die Gefahr einer Bauchfellentzündung oder von Divertikelblutungen.

Schlüssellochoperationen schonen die Patienten

Rund 40 Prozent der Bauchoperationen werden in der Schön Klinik Hamburg-Eilbek minimalinvasiv durchgeführt. Lediglich einige kleine Schlüssellöcher im Bauch sind dazu nötig. Zunächst wird Kohlendioxid in den Bauch gepumpt, um einen Raum zwischen der Bauchdecke und den Organen zu schaffen. Eingeführt werden eine kleine Kamera in Verbindung mit Licht, die Operationsinstrumente und bei Bedarf ein sogenannter Hightech-Bergebeutel, um abgetrenntes Körpergewebe zu entfernen. Diese Operationen sind »extrem bluttrocken«, freut sich Chefarzt Dr. Lutz Steinmüller, »Blutkonserven brauchen wir nur in Ausnahmefällen.« Der große Bauchschnitt kann in vielen Fällen vermieden werden – auch bei Darmkrebs- oder Divertikeloperationen. Gerade den alten Patienten kommt dies zugute, weil sie ohne eine große Narbe schneller ins Leben zurückfinden.

Ernährung: Die Verdauung beginnt im Mund

Essen und Trinken sind unser Kraftstoff, damit wir uns überhaupt bewegen und denken können. Darum ist es wichtig, nahrhafte Lebensmittel zu sich zu nehmen, die auch gut vom Körper verarbeitet und in Energie umgewandelt werden können. »Bei einer ballaststoffreichen Ernährung werden die Darmzotten angeregt und die Verdauung wird verbessert«, erklärt Ernährungsberaterin Sandra Rose-Fröhlich. »Außerdem transportieren Ballaststoffe, insbesondere Hafer, Cholesterin aus unserem Körper.«
Eine schnelle Ernährungsumstellung, um den Anteil an Vollkornprodukten und Gemüse zu erhöhen, ist nicht zu empfehlen. Das macht der Körper nicht mit. Man sollte behutsam vorgehen. Gemüsesaft enthält beispielsweise viele Ballaststoffe. Bereits damit tun sich die Menschen etwas Gutes. Der Geschmack von püriertem Gemüse ist zudem für viele eine Abwechslung auf dem Speiseplan.
Es sind ganz einfache Dinge, mit denen wir den Darm gesund halten können. Die Verdauung beginnt bereits im Mund. Der Darm hat keine Zähne. Alles, was wir unvollständig zerkaut schlucken, kann im Magen-Darm-Trakt nicht nachträglich zerkleinert werden. So verlassen beispielsweise ungekaute Körner den Körper, ohne dass ihre Nährstoffe aufgenommen worden sind. Langsames Essen ist ein wichtiger Beitrag zur Darmgesundheit.
Im Alter lässt das Durstgefühl nach. Die aufgenommene Flüssigkeitsmenge ist ungenügend. Das kann einen zu festen Stuhl zur Folge haben. Wer genau dieses Problem lösen möchte, sollte seine Trinkmenge dauerhaft erhöhen. Zu empfehlen sind mindestens anderthalb Liter.

Laktose-Intoleranz

Milchzucker (Laktose) kommt in Kuhmilch vor und besteht aus zwei einzelnen Zuckerbausteinen – Glukose und Galaktose. Damit der Milchzucker im Dünndarm aufgenommen werden kann, muss er zuerst durch das Enzym Laktase in diese beiden Bausteine gespalten werden. Menschen mit einer Laktose-Intoleranz sind dazu nicht in der Lage, die Fähigkeit zur Spaltung des Zuckers ist verringert. Der Grund ist ein Mangel am Enzym Laktase. Der Milchzucker bleibt im Darm, bindet Wasser und es kommt zu Durchfall. Zusätzlich vergären Darmbakterien den ungespaltenen Zucker, wodurch Blähungen entstehen.
»Säugetiere ernähren sich normalerweise nur im Säuglingsalter von der Muttermilch. Dass der Mensch im Erwachsenenalter sogar Milch von der Kuh trinkt, ist für den Körper unnatürlich«, erklärt Privatdozent Dr. Boris Brand. Die Mehrzahl der Weltbevölkerung kann Milchzucker nach dem Säuglingsalter nicht mehr vollständig verwerten – die Laktose-Intoleranz ist der Normalfall. In asiatischen und afrikanischen Ländern beispielsweise fehlt fast allen Menschen das Enzym zur Spaltung des Milchzuckers. Daher findet man in diesen Regionen auch keine Milch- oder Käseprodukte auf dem Speiseplan. In Mitteleuropa leiden schätzungsweise über 15 Prozent der Bevölkerung an einer Laktose-Intoleranz. Die Milchzuckerunverträglichkeit ist nicht zu verwechseln mit einer Allergie gegen Milchprodukte.

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