Unspezifische Symptome erschweren die Diagnose

Der Dopaminmangel hemmt den Informationsfluss im Gehirn. Dadurch kommt es zu einer Verlangsamung der Körperfunktionen.

Nur bei einem Teil der an Parkinson Erkrankten kommt es zum typischen Zittern (Tremor), oft sind die Symptome eher unspezifisch. Bevor ein Arzt die Diagnose erstellt, vergehen oft Jahre, in denen es aber erste Anzeichen gibt. Diese Erfahrungen fasst eine Leserin folgendermaßen zusammen: »Mein Mann hat seit vielen Jahren Parkinson. Er hat beim Gehen die Füße nicht mehr richtig hoch genommen und geschlurft. Außerdem hatte er keine Lust mehr wegzugehen. Am Anfang war ich ungerecht und habe mit ihm geschimpft. Aber wir hatten ja keine Ahnung.« Bei Angela Nissen war es ähnlich: »Mein Mann konnte Benzin nicht mehr riechen und er ist gelatscht. Wer geht schon zum Arzt, nur weil der Ehemann die Füße nicht mehr hochbekommt?«

Eine chronische Erkrankung und ihre Behandlung

»Die innere Ruhe, um mit Parkinson-Patienten angemessen umzugehen, muss man erst lernen«, sagt Susanne Lorenz.

Grund für die Parkinson´sche Krankheit ist der Mangel an wichtigen Botenstoffen (insbesondere Dopamin), die dafür sorgen, dass im Gehirn Informationen zwischen den Nervenzellen übertragen werden. Im Laufe eines Lebens lässt die Dopaminproduktion eines Menschen um bis zu ein Prozent pro Jahr nach. Erst wenn der Körper nur noch etwa 30 Prozent des Stoffs oder weniger herstellt, kommt es zum Krankheitsbild, das der englische Arzt James Parkinson erstmals 1817 beschrieben hat.

Ein Meilenstein in der medikamentösen Behandlung wurde in den sechziger Jahren erfunden: Levodopa. Dieser Wirkstoff kann die Blut-Hirn-Schranke überwinden und im Hirn zu Dopamin umgewandelt werden.

Große Erfolge erzielte die Medizin in den vergangenen Jahren auch mit der sogenannten tiefen Hirnstimulation. Bei dieser Operation, die bisher weltweit über 33.000-mal durchgeführt wurde, platziert der Chirurg Elektroden im Hirn, die Impulse abgeben und so die Aktivität des stimulierten Hirnareals positiv beeinflussen.

Sowohl die medikamentöse Behandlung als auch der Hirnschrittmacher bedeuten keine Heilung, denn die körpereigene Dopaminbildung bleibt weiterhin ungenügend. Beide Anwendungen können aber eine Besserung der Symptome herbeiführen, die über viele Jahre anhält.

Welche Ursachen gibt es?

Dr. Carsten Buhmann [Privatdozent]: Schätzungsweise fünf Prozent der Erkrankungen sind erblich. Bei dem Großteil unserer Patienten können wir keine sichere Ursache feststellen. Es gibt allerdings Hinweise, dass zum Beispiel die Aufnahme von Schwermetallen oder Pestiziden Parkinson auslösen kann.

 Wie wird die Parkinson’sche Krankheit diagnostiziert?

Dr. Buhmann: Antriebslosigkeit und Depression sind nicht gleichzusetzen mit Parkinson, sie können aber auf die Krankheit hinweisen. Die Diagnose ist in der Regel durch gezielte Befragung und die neurologische Untersuchung zu stellen. Im Einzelfall können ein Ultraschall der Schwarzen Substanz im Gehirn oder eine nuklearmedizinische Untersuchung der Dopamintransporter weiterhelfen.

 Kann man vorbeugen?

Dr. Buhmann: Man kann wenig tun, zu empfehlen ist eine gesunde Lebensführung und Umweltgifte zu meiden. Eine Studie mit 140.000 Teilnehmern hat ergeben, dass Kaffeetrinker und Raucher nicht so häufig an Parkinson erkranken.

 Warum ist Bewegung so wichtig?

Beate Kahlau [Parkinsonvereinigung in Hamburg]: Der Dopaminmangel hemmt den Informationsfluss im Gehirn. Dadurch kommt es zu einer Verlangsamung der Körperfunktionen, auch beim Sprechen und Schlucken. Gymnastik und Sport erhalten die Beweglichkeit. Der Patient kann viel selbst tun, um seine Lebensqualität zu verbessern.

 Ich habe seit einem halben Jahr Parkinson. Von den Tabletten wird mir schlecht, darum habe ich sie abgesetzt und muss jetzt mit dem Zittern leben.

Dr. Buhmann: Bei jüngeren Patienten verschreibt man nicht sofort Levodopa, weil dieses Medikament bei etwa 50 Prozent der Menschen nach drei bis fünf Jahren Wirkungsschwankungen verursacht. Daher wird zunächst ein Ersatzstoff, ein sogenannter Dopamin-Agonist, verschrieben. Mit ihm lässt sich der Tremor in den Griff bekommen. Aber diese Medikamente können Nebenwirkungen wie zum Beispiel Übelkeit haben. Wenn Sie Ihre Tabletten nicht vertragen, probieren Sie etwas anderes aus. Es gibt neben anderen Medikamenten acht verschiedene Agonisten.

 Ich habe seit drei Jahren Parkinson und neuerdings auch Osteoporose. Wenn ich die Tabletten für die Knochen nehme, bin ich immer »down«.

Dr. Buhmann: Oft entstehen durch die gleichzeitige Einnahme verschiedener Medikamente Wechselwirkungen. Kalzium oder Vitamin D gegen Osteoporose können unter Umständen die Aufnahme der Parkinson-Medikamente im Darm beeinflussen. Besprechen Sie das bitte mit Ihrem Arzt.

 Darf ich als Parkinson-Patient in den Urlaub fahren?

Kahlau: In Maßen ist alles erlaubt. Genießen Sie Ihr Leben und machen Sie das, was Sie sich zutrauen.

 Was halten Sie von Q10?

Dr. Buhmann: Zwei Studien aus Kanada und Deutschland haben gezeigt, dass Q10 in einer hohen Dosierung das Allgemeinbefinden des Parkinson-Erkrankten verbessert. Dieses Enzym ist ein Nahrungsergänzungsmittel, das nicht von der Krankenkasse bezahlt wird. Probieren Sie es aus und prüfen Sie, ob es Ihnen damit besser geht.

Es kann die Situation eintreten, dass man zu Hause nicht mehr versorgt werden kann. Wie lernen Ihre Mitarbeiter im Altenheim, das Einfühlungsvermögen im Umgang mit Parkinson-Erkrankten zu entwickeln?

Susanne Lorenz [Pflegedienstleiterin im Haus Alstertal]: Ein junger Mitarbeiter, der die Arbeit in der Altenpflege als Job ansieht, ist bei uns fehl am Platz. Wir beziehen die Erfahrung rund um die Pflege und Betreuung, die eine Familie gemacht hat, mit ein. Unseren jungen Mitarbeitern zeigen wir nach und nach, wie sie die nötige Ruhe mit einem an Parkinson erkrankten Bewohner entwickeln können.

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