Tipps von Pflegeprofis für Angehörige

Wer plötzlich mit der Demenz eines Angehörigen konfrontiert wird, stößt schnell an seine Grenzen. Ehepartner und Kinder sind anfänglich schockiert, dann tief betroffen von den merkwürdigen Verhaltensweisen des Erkrankten. Wie kann man lernen, angemessen damit umzugehen, die eigenen Kräfte richtig einzuteilen und einer dauerhaften Überforderung entgegenzuwirken?

Petra Kröger und Carsten Hackamp erarbeiten ein Konzept für pflegebedürftige Patienten in Volksdorf

Neben der bekannten Vergesslichkeit gehören auch innere Unruhe, Ängste, Aggressivität sowie Wesensveränderungen zu den Begleiterscheinungen einer Demenz. Petra Kröger, Pflegeberaterin beim PTW Pflegeteam (Hamburg-Volksdorf), kennt zahlreiche Kunstgriffe im Umgang mit Demenzkranken. Oft beobachten die Angehörigen, dass der Betroffene ständig seine Sachen packt und weglaufen will. Manchmal steckt einfach nur Bewegungsmangel dahinter. Es kommt darauf an, einen Zugang zu diesem Menschen zu finden. „Spaziergänge sind ideal, um diesen Stress abzubauen“, rät die gelernte Altenpflegerin aus langjähriger Erfahrung.

 Hilfreich ist auch ein strukturierter Tagesablauf mit immer wiederkehrenden Ritualen. Angehörige können lernen, morgens Lust auf den Tag und das Frühstück mit frischem Kaffee und Brötchen zu wecken. Abends kann ein gleicher, sich immer wiederholender Ablauf eingeübt werden. Dazu gehören das Tischdecken, das gemeinsame Essen und das Singen eines Liedes kurz vorm Ins-Bett-Gehen. „Das beruhigt und ist ein wichtiger Beitrag für einen geregelten Tag-Nacht-Rhythmus“, weiß PTW-Geschäftsführer Carsten Hackamp. Zudem kann ein Blick auf die bisherigen Lebensgewohnheiten des Betroffenen Aufschluss darüber geben, was er gerne macht und ihn beruhigt, zum Beispiel mit der U-Bahn durch die Stadt zu fahren.

 Gute Ernährung und eine ausreichende Trinkmenge spielen rund um die geistigen Fähigkeiten eine große Rolle. „Demenzkranke mögen gern süße Speisen. Diese sollte man ihnen auch nicht verweigern. Außerdem kann man Farbe ins Spiel bringen und bei den Getränken gern mal einen Früchtetee oder ein Malzbier anbieten“, rät Carsten Hackamp.

 Demenz ist noch nicht heilbar. Bei einer frühzeitigen Diagnose kann der Krankheitsverlauf jedoch durch Medikamente oder Therapieangebote verzögert werden. Zu empfehlen ist eine Untersuchung beim Spezialisten – beim Neurologen oder in der Abteilung Geriatrie (Altersheilkunde) eines Krankenhauses. Gedächtnis und andere kognitive Störungen rund um die Konzentration, Wahrnehmung, Sprache und Orientierung werden überprüft. Um organische Ursachen wie eine Schilddrüsenunterfunktion oder einen Vitaminmangel zu erkennen, wird eine Blutuntersuchung durchgeführt. Bei einer Röntgenuntersuchung des Gehirns wird unter anderem geschaut, ob sich zum Beispiel nach einem Sturz auf den Kopf ein Blutgerinnsel gebildet oder sich Nervenwasser aufgestaut hat. In weiteren neuropsychologischen Tests und Gesprächen wird überprüft, wie gut das Kurz- und Langzeitgedächtnis sowie die allgemeine Auffassungsgabe ausgeprägt sind. Mit diesen Untersuchungsergebnissen kann die weitere Behandlung eingeleitet werden.

 Pflegende Angehörige sollten wissen, dass es zahlreiche Angebote gibt, die zu ihrer Entlastung beitragen und vor Überforderung schützen. Dazu zählen die Tages- und Kurzzeitpflege, Selbsthilfegruppen und Betreuungsangebote von Pflegediensten. Der erste Ansprechpartner kann ein ambulanter Dienst sein, über den man sich zunächst einen Überblick verschafft, um dann ein Unterstützungsangebot zusammenzustellen.