Demenz-Sorgentelefon

Schätzungsweise 31.000 Hamburger sind von Demenz betroffen, und nahezu alle Familien, die liebevoll für die Betreuung sorgen, stoßen irgendwann an ihre physischen und psychischen Grenzen. Ein Beispiel: Eine 85-jährige Ehefrau betreut ihren 90-jährigen demenzkranken Partner, der plötzlich das Haus verlässt, ohne sie zu informieren, und erst nach Stunden wieder in die Wohnung zurückfindet. Er hatte das Gefühl, er müsse Geld am Automaten holen, damit die beiden etwas zu Essen einkaufen können. Doch die Ehefrau hat in diesen langen Stunden der Ungewissheit große Ängste ausgestanden, deshalb kann sie sich überhaupt nicht über die noch vorhandene Selbständigkeit des Partners freuen. Wie kann diese Frau lernen, in solch einer Situation angemessen und besonnen zu reagieren? Welche Möglichkeiten kann sie nutzen, um langfristig ihre eigenen Ressourcen zu stärken? Und wenn bestimmte Grenzen erreicht sind, gibt es vielleicht andere Menschen, die einen Teil der Verantwortung übernehmen können?

Katrin Kell ermutigt die Familien, die einen demenzkranken Angehörigen betreuen, sich rechtzeitig Unterstützung zu holen.

Die Diakonie Hamburg bietet für solche Notfälle das Demenz-Sorgentelefon an. Drei ausgebildete Fachkräfte, die über langjährige Erfahrungen mit Demenzkranken verfügen, stehen den Anrufern kostenlos mit Rat und Tat zur Seite. „Manchmal hilft den Angehörigen schon ein Telefonat, um aus der Isolation herauszukommen, die diese Krankheit oft mit sich bringt“, macht die Fachbereichsleiterin Katrin Kell Mut. Außerdem wissen viele Familien nicht, auf welche Unterstützungsangebote sie zurückgreifen können. „So können wir den Kontakt im Rahmen unseres Projekts „SeniorPartner Diakonie“ zu qualifizierten freiwilligen Helfern herstellen. Ehrenamtlich betreuen sie stundenweise einen demenzkranken Patienten, damit der pflegende Angehörige einmal durchatmen und etwas für sich tun kann“, erklärt Katrin Kell. Möglich sind auch Schulungen von Angehörigen, damit diese auf Dauer besser mit den Belastungen umgehen können, denen sie bei der Betreuung eines Demenzkranken ausgesetzt sind.

 Finanziert wird das Demenz-Sorgentelefon von der Diakonie-Stiftung MitMenschlichkeit. Das Telefon ist montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr besetzt: 040 / 30 620 349.