Geborgenheit im Kleingarten - Neue Wege in der Dementenbetreuung

Wie schaffen es die Mitarbeiter im Altenheim immer wieder aufs Neue, dass sich die Bewohner geborgen fühlen? Sabine Riediger ist seit über 20 Jahren Heimleiterin und hatte vor drei Jahren die Idee, einen Kleingarten zu pachten.

Vor ihrem Gartenhaus präsentieren Sabine Riediger und Holger Carstensen zusammen mit den Bewohnern die heutige Ernte: Kürbis, Kartoffeln, Petersilie, Schnittlauch, Basilikum und Rosmarin.

Sabine Riediger ist seit über 20 Jahren Heimleiterin im Stadtdomizil Altenpflege-Zentrum (Hamburg-Altona) und hatte vor drei Jahren die Idee, einen Kleingarten zu pachten. Nicht für sich privat, sondern in dienstlicher Mission. Nun steht den zum Teil demenzkranken Menschen ihres Seniorendomizils seit April ein 1.000 Quadratmeter großes Grundstück mit Gartenhaus zur Verfügung. „Unsere Bewohner schneiden die Hecken und mähen den Rasen. Wir haben gemeinsam mit ihnen gesät und gepflanzt, gegossen und gedüngt, jetzt ernten wir“, freut sich Pflegedienstleiter Holger Carstensen. So werden im Herbst Kartoffeln aus der Erde geholt und gekocht, die Bewohner bereiten sich Pellkartoffeln mit Quark und Schmorgurke aus dem eigenen Gewächshaus selbst zu. Einige Bewohner kennen die Gartenarbeit noch von früher, andere decken den Tisch und erledigen den Abwasch. Und es gibt Bewohner, die einfach nur die Atmosphäre genießen und gern an der frischen Luft sind.

„Die Kürbissuppe meiner Mutter schmeckte besonders gut“, berichtet Irmgard Fürst (Mitte) und zeigt zusammen mit Ruth Lang und Sabine Riediger die heutige Kürbisernte.

Sabine Riediger hatte zunächst große Sorgen, dass sich der Vorsitzende des Kleingartenvereins gegen das Projekt aussprechen würde. Doch der war davon total begeistert. Auch gab es Bedenkenträger, die meinten: „Das schafft Ihr nie!“ Doch Sabine Riediger hat durchgehalten und dieses bundesweit bisher einmalige Projekt zum Erfolg geführt.

Pflegedienstleiter Holger Carstensen hat gemeinsam mit Ilse Eichler Kartoffeln aus der Erde geholt.

Es geht um ein neues Verständnis von Pflege: Wie können die Selbstständigkeit und das Selbstbewusstsein von pflegebedürftigen Senioren besser gefördert werden, als wenn man sie sich selbst versorgen lässt? „In unseren Kleingarten kommt fast jeder Bewohner mindestens einmal im Monat“, berichtet Riediger. Die Therapieerfolge sind in den Tagen danach deutlich zu sehen: Die Menschen erhalten sich weitgehend ihre Selbstständigkeit, im Altenheim decken sie den Tisch und nehmen aktiv am Tagesprogramm teil.

Für die dunkle Jahreszeit haben sich Sabine Riediger und Holger Carstensen vorgenommen, dass sie und die Senioren „hier zum Kaffee trinken und Kuchen essen raus fahren, Punsch kochen, im Gartenhaus gemütlich zusammensitzen und die kalten Wintertage genießen.“