Sensible Therapeuten

Stück für Stück verschwindet bei Demenzkranken die Gegenwart im Vergessen. Manche Patienten leben in ihrer eigenen Welt und sind kaum noch erreichbar. Besonders am Anfang der Erkrankung ist den Menschen ihre zunehmend hilflose Lage durchaus bewusst, deshalb reagieren sie häufig aggressiv auf ihr Umfeld. Doch das Zusammenleben mit Tieren bewirkt bisweilen kleine Wunder, haben die Mitarbeiter im Haus Volksdorf (Hamburg-Volksdorf) festgestellt.

„Tiere lösen positive Gefühle bei Demenzkranken aus“, berichtet Pflegedienstleiterin Iwona Erm aus ihrem Alltag. Vor acht Jahren rettete sie Katze Lilly vor dem Tierheim und brachte die Samtpfote versuchsweise mit in ihr Alten- und Pflegeheim. Im Handumdrehen avancierte Lilly zum Liebling der Bewohner. „Die Körperwärme und das Schnurren wirken auf unsere Dementen wunderbar beruhigend“, hat Iwona Erm beobachtet. Jede Nacht sucht sich die Katzendame einen neuen Schlafplatz und hat im Laufe der Jahre ein erstaunliches Gespür dafür entwickelt, wer ihre Nähe gerade besonders nötig hat. „Beim Frühstück erzählen sich die Bewohner dann ganz aufgeregt, an welchem Fußende sich die Katze in der letzten Nacht zusammengerollt hat. Oder erinnern sich daran, dass sie früher selbst ein Haustier hatten“, hat Jeanette Vogt, Leiterin des Betreuungsdienstes, festgestellt.

Zwergschnauzer Mona zaubert ein strahlendes Lächeln in das Gesicht von Bewohnerin Birgit Schepler.

Inzwischen hat sich fast ein kleiner Zoo entwickelt. In einem Gehege im Garten wohnen die beiden Kaninchen Martina und Socke, gleich neben dem Goldfischteich. Wellensittich Max singt und spricht in einer Vogelvoliere im Speisesaal und wurde von den Bewohnern neulich umgetauft auf den Namen „Angela Merkel“, weil er einfach nicht den Schnabel halten kann. Zwergschnauzer Mona und Labrador Margo, die beiden freundlichen Hunde von Iwona Erm, haben sich zu echten Entertainern entwickelt, die den Bewohnern täglich mit kleinen Shows ein Lächeln ins Gesicht zaubern und die Dementen in ihr Spiel mit einbeziehen.

„Alle Mitarbeiter fühlen sich für die Pflege unserer Bewohner genauso verantwortlich wie für die Pflege der Tiere“, freut sich Iwona Erm. Hygiene sei natürlich gerade im Altenheim ein wichtiges Thema. Dazu gehöre, dass der kleine Streichelzoo regelmäßig entwurmt wird und selbstverständlich keine Flöhe haben darf. Außerdem müssten Käfige und Gehege regelmäßig gereinigt werden. „Eine Zusatzaufgabe, die wir alle gern erledigen“, versichert Jeanette Vogt und freut sich darüber, dass die Bewohner bei der Fütterung gern mithelfen.