Tipps von Pflegeprofis - Angemessener Umgang mit Demenz

Wer einen Demenzpatienten in der Familie betreut, braucht Information, um die Grenzen des Machbaren zu akzeptieren und einen angemessenen Umgang mit der Krankheit zu lernen. Demenz wird oft mit Vergesslichkeit gleichgesetzt. Doch auch innere Unruhe, Ängste, Aggressivität und Wesensveränderungen können zu den typischen Begleiterscheinungen gehören. Dadurch entstehen immer wieder Streitigkeiten. Ein Blick über die Schulter der Profis im Altenheim hilft Ehepartnern und Kindern.

Johannes van Dijk hat herausgefunden, dass dieser Bewohner gern badet. Damit ist die Körperpflege einfacher.

Probleme kann es bei der Körperpflege, den Toilettengängen, dem Händewaschen, dem Essen und Trinken geben, weiß Johannes van Dijk, Fachkraft für Gerontopsychiatrie im Alsterdomizil (Hamburg-Wellingsbüttel). Wenn der Demenzkranke nicht will, wird dadurch oft Ärger bei der Pflege ausgelöst. Möglicherweise hat er nur nicht verstanden, was von ihm gerade erwartet wird. Vielleicht war die Frage zu kompliziert oder die pflegenden Angehörigen sprechen zu schnell. Johannes van Dijk rät daher morgens beim Aufstehen: „Geben Sie dem Demenzkranken Zeit, im neuen Tag anzukommen, in Ruhe wach zu werden, Kontakt mit Ihnen aufzunehmen. Wecken Sie zunächst seine Lust auf ein Frühstück mit Kaffee und frischen Brötchen. Komplizierte Dinge wie die Körperpflege können, sofern diese zu Konflikten führen, warten – bis nach dem Frühstück oder bis zum Nachmittag. Die Menschen haben dann mehr Lust und Kraft, sich zu waschen und anzuziehen.“

Demenzkranke haben zum Beginn der Krankheit häufig Probleme mit dem Denken, dem Kurzzeitgedächtnis oder sie können nicht mehr rechnen. Aber der Antrieb, etwas tun zu wollen, und die Gefühle sind noch da. Und so erleben die entsetzten Angehörigen oft, dass der Demenzkranke unruhig ist, ständig seine Sachen packt und weglaufen will. An diesem Punkt kommt es nun darauf an, einen Zugang zu diesem Menschen zu finden. „Wenn ein demenzkranker Bewohner bei uns eingezogen ist und wegläuft, um in seine alte Wohnung zu kommen, und nicht bereit ist, bei uns zu bleiben, begleite ich ihn. Das ist eine gute Gelegenheit, um Kontakt mit ihm aufzunehmen. Oft kommt er dann auf meine Bitte wieder mit. Wenn wir zurückkommen, ist derjenige froh, sich hinsetzen und erholen zu können.“ Tipp von Johannes van Dijk: „Spaziergänge sind ideal, um Bewegungsmangel und innere Unruhe zu bekämpfen.“

Positive Gefühle fördern offenbar die Hirnleistung und können mit einfachen Mitteln geweckt werden: Mit dem einen Patienten kann man gemeinsam ein Lied singen, bei dem nächsten löst das Blättern im Fotoalbum schöne Erinnerungen aus. „Es gibt nicht die eine Form von Demenz“, gibt van Dijk zu bedenken, „folglich müssen sich die pflegenden Angehörigen an die Krankheit herantasten.“