Die Macht der Gefühle

Wer einen geliebten Menschen verliert, fällt meist in ein tiefes Loch. „Die Endgültigkeit, die der Tod mit sich bringt, ist nur schwer zu begreifen und macht unendlich traurig“, sagt Wiebke Meers aus der Markus-Kirchengemeinde Rahlstedt (Hamburg). „Trauern ist sehr wichtig“, meint die Pastorin. Das Trauern ist ein Weg, der von jedem ganz unterschiedlich gegangen wird. Es gibt kein richtig oder falsch. Alles hat seine Berechtigung, auch Verdrängung. Beim Trauern geht es darum, den Verlust zu verarbeiten. Hier treffen seelische Schmerzen auf die unterschiedlichsten Emotionen wie Schock, Wut oder Fassungslosigkeit.

Pastorin Wiebke Meers vor der Markus-Kirchengemeinde.

Seit gut 22 Jahren arbeitet Wiebke Meers in der Kirchengemeinde. „Die Begleitung von Hinterbliebenen, den Abschied mit Ritualen zu gestalten und dem, was wir als Christen angesichts des Todes für Hoffnungsbilder haben, ist eine meiner liebsten Aufgaben. Dafür nehme ich mir gern Zeit“, sagt sie. Intensive Gespräche über den Verstorbenen, das Entzünden einer Kerze in der Kirche oder das Aufbewahren von persönlichen Dingen lassen leichter Abschied vom geliebten Menschen nehmen. Auch gemeinsame Besuche am Grab gehören zu den Ritualen.

Als einen wichtigen Aspekt sieht die Pastorin den Umgang mit den Fragen rund um das Sterben und den Tod schon zu Lebzeiten: „Diese Themen gehören nicht zu den leichtesten und werden oft ausgespart. Doch es gibt kein Leben ohne Abschiede, ohne Sterben und Tod.“ Wiebke Meers weiß aus zahlreichen Gesprächen, dass, wenn das Thema einmal angesprochen wurde, es regelrecht zu einer „Befreiung“ bei allen Beteiligten führt. Wenn es dann Jahre später soweit sein sollte, kann den trauernden Angehörigen der Abschied und das Loslassen leichter fallen, weil sie bereits wissen, welche Einstellung der Verstorbene dazu hatte.

Für die Hinterbliebenen ist es wichtig, nach dem Verlust des Partners Menschen zu finden, die ihnen zuhören und diese schwierige Zeit mit ihnen teilen. Dabei können Trauergruppen in den Gemeinden und speziell geschulte Trauerbegleiter helfen. „Reden, zusammen schweigen und das, was gerade ist, mittragen, hilft“, sagt Wiebke Meers. Der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer sagte es so: „Je schöner und voller die Erinnerung, desto schwerer die Trennung. Aber die Dankbarkeit verwandelt die Qual der Erinnerung in eine stille Freude. Man trägt das vergangene Schöne nicht wie einen Stachel, sondern wie ein kostbares Geschenk in sich.“