Wenn das Geld fürs Seniorenheim nicht reicht

Sollte man im Rahmen der Vorsorge seine Immobilie verkaufen und wieder zur Miete wohnen, um im Pflegefall genügend Geld für einen Platz im Altenheim zu haben? Es gibt Immobilienschätzer und Sachverständige, die genau das empfehlen und gleichzeitig anbieten, den Wert des Eigenheims oder der Eigentumswohnung zu schätzen. Aus deren Sicht ist das verständlich. In Hamburg gibt es zu wenig Baugrund und Wohnraum. Je früher man an Grundstücke kommt, desto besser für die Makler und ihre potenziellen Käufer. Doch die Besitzer dieser Immobilien würden zurzeit ein schlechtes Geschäft machen. Wer erst in zehn Jahren Geld für die Pflege benötigt, sollte aufgrund der Wertsteigerung lieber mit dem Hausverkauf warten. Da Sparvermögen gerade geringer als die Inflation verzinst wird, verliert das Geld aus dem Immobilienverkauf an Wert. Außerdem würden die Kosten für den gemieteten Wohnraum erheblich zu Buche schlagen.

„Im finanziellen Notfall kann der vom Gericht eingesetzte Betreuer auch eine Immobilie verkaufen – allerdings zu Marktpreisen“, erklärt Gabriele Warner vom Betreuungsverein Hamburg-Nord.

Ein finanzieller Engpass tritt im Pflegefall erst ein, wenn die Kosten fürs Altenheim nicht von der Rente bezahlt werden können und der Notgroschen bereits aufgebraucht ist. Sollte der Altenheimbewohner dann nicht mehr in der Lage sein, seine Immobilie selbst zu veräußern, kann dies ein vom Betreuungsgericht eingesetzter Betreuer übernehmen. „In derartigen Fällen würden wir beim Betreuungsgericht beantragen, dass die vorhandene Immobilie auf Wunsch des Besitzers veräußert werden darf“, berichtet Gabriele Warner. Die 50-Jährige ist seit knapp 20 Jahren für den Betreuungsverein Hamburg-Nord tätig und hat in ihrer Praxis viele Erfahrungen mit der Abwicklung solcher Verkäufe gesammelt. Der Betreuer gibt dann meist ein Verkehrswertgutachten in Auftrag, um den aktuellen Wert der Immobilie zu ermitteln. Diese Abwicklung dauert einige Zeit, darum kann das Sozialamt in Härtefällen in der Zwischenzeit Leistungen als Darlehen gewähren, die nach der Abwicklung des Verkaufes zurückgefordert würden.

 Für Senioren, die das Geld fürs Pflegeheim benötigen, ist der Hausverkauf meist ein schmerzhafter Prozess. „Die Betroffenen müssen ihre vertraute Umgebung verlassen, die ihnen im Lauf der Jahre ans Herz gewachsen ist“, erinnert Betreuerin Warner. Eine Alternative zum Verkauf wäre die Vermietung der Immobilie, um so die Altenheimkosten bezahlen zu können. Das wäre insbesondere für die Kinder interessant, wenn diese das Elternhaus im Familienbesitz halten wollen.