Streit zwischen Kindern und Eltern - Wie viel Geld dürfen Altenheimbewohner ausgeben?

Conny P. (57) hatte mit ihrer Mutter heftigen Streit. Es ging ums Geld. Die 81-Jährige benötigt für sich und ihren Mann rund 1.000 Euro im Monat: „Ich brauche dringend Geld für die Zuzahlungen bei der Apotheke, für Massagen, Lebensmittel und alles Mögliche. Meine Tochter ist geizig, lügt und behauptet, mir neulich 200 Euro gegeben zu haben. Sie hatte mir aber nichts mitgebracht."

Conny P. hat Bankvollmachten, kümmert sich um die Geldverwaltung der Eltern. Das Problem: Diese mussten vor Kurzem in ein Altenheim ziehen. Der Vater hat Pflegestufe 2 und lebt im Pflegebereich für monatlich 2.000 Euro. Die Mutter hat eine Einzimmerwohnung im selben Haus für 1.000 Euro gemietet – inklusive Mittagessen, Notruf, Betreuungsangeboten und dem Sauberhalten der Wohnung. Bei einer monatlichen Rente von 2.000 Euro werden die fehlenden 2.000 Euro (für Wohnkosten sowie den persönlichen Verbrauch) vom Sparbuch abgehoben, auf dem sich 52.000 Euro befinden. „Wenn meine Eltern weiterhin so viel Geld ausgeben, werden sie in zwei Jahren zu Sozialhilfeempfängern“, erklärt die Tochter.

Wenn das Geld aufgrund von Altenheimkosten knapp wird, kommt es immer wieder zum Streit zwischen Kindern und Eltern, weiß Gudrun Hummel aus Erfahrung.

Gudrun Hummel arbeitet beim „Diakonieverein Vormundschaften und Betreuungen e.V.“, einem der Hamburger Betreuungsvereine. „Es gibt keine gesetzliche Vorschrift, dass Altenheimbewohner ihr Vermögen nicht ausgeben dürfen“, erläutert die Juristin. Hilfreich ist, dass der Betroffene die Rechnungen von Apotheke, Physiotherapie, Sanitätshaus, Friseur und Fußpflege nicht mehr in bar zahlt, sondern die Beträge überwiesen werden. Empfehlenswert sind zum Beispiel Absprachen mit dem Friseur, wie oft Termine vergeben werden dürfen. Demenzkranke verlieren oft den Bezug zum Geld und werden verschwenderisch oder vergessen getätigte Ausgaben. Das lässt sich durch Absprachen eingrenzen.

Wie viel Geld den betroffenen Senioren zur persönlichen Verfügung steht, ist eine Einzelfallentscheidung. 500 Euro pro Person hält Gudrun Hummel in diesem Fall für angemessen. Ratsuchende Kinder können sich an die Hamburger Betreuungsvereine wenden. Telefon: 040/879716-0. Möglich ist auch eine Anregung auf rechtliche Betreuung beim Betreuungsgericht. Dann kann ein gesetzlicher Betreuer die Vermögenssorge übernehmen. „Ein vom Gericht eingesetzter Betreuer ist neutral und muss die finanzielle Situation einmal jährlich vor dem Betreuungsgericht dokumentieren“, erklärt Gudrun Hummel.