Wohnen im Alter

Einleben im Altenheim

Noch nie gab es so viele alte Menschen wie heute, noch nie so viele, die sich bei guter Gesundheit viel jünger fühlen, als sie sind, und auch so aussehen. Doch vor Schicksalsschlägen ist niemand sicher. So war es auch bei Ingrid Wild. Die heute 77-Jährige lebte zusammen mit Ehemann Jürgen in einem Haus mit Garten in Wilhelmshaven. Gemeinsam reiste das Paar in der ganzen Welt herum. Seit dem Tod ihres Mannes vor sechs Jahren hat die Witwe das große Haus an der Nordsee allein bewirtschaftet und sich im Sportstudio sowie beim Klavierspielen fit gehalten. Doch vor einem halben Jahr geriet ihr geordnetes Leben aufgrund eines Schlaganfalls aus den Fugen. Nach dem Krankenhausaufenthalt war sie sechs Wochen in einer Rehaklinik und musste alles wieder neu erlernen – wie das Sprechen und Laufen.

Neue Wege in der Küche

Das Mittagessen gehört zu den Höhepunkten im Tagesablauf von Altenheimbewohnern. Die Senioren treffen sich ab zwölf Uhr im Speisesaal und genießen ihre Mahlzeit plaudernd in geselliger Runde. Die Freude ist groß, wenn es Hausmannskost wie Rouladen, Gulasch oder Frikadellen gibt. „Das Essen soll aber nicht nur gut schmecken und appetitlich angerichtet sein, sondern auch lecker duften“, sagt Georg Kratzer, der neue Küchenchef im Theodor-Fliedner-Haus (Hamburg-Bramfeld).

80 Jahre Theodor-Fliedner-Haus

Das Theodor-Fliedner-Haus (Hamburg-Bramfeld) feiert am Mittwoch, den 12. Oktober, seinen 80. Jahrestag. Für die Jubiläumsausstellung werden noch Fotos und Dokumente gesucht.

Ich fühle mich hier glücklich

„Nach dem Tod meines Mannes war die Stille in unserem großen Haus fast greifbar“, erzählt Ingrid Marquardt mit leiser Stimme. Das Ehepaar war über 60 Jahre glücklich verheiratet und leitete Seite an Seite ein Versicherungs- und Verwaltungsbüro. Sohn Michael hatte zu diesem Zeitpunkt längst eine eigene Familie gegründet. Über ein Jahr quälte sich die Seniorin durch die einsamen Stunden in dem leeren Bungalow. Bei einem Wochenendausflug an die See mit einer Freundin wurde der heute 85-Jährigen klar: „Ich kann nicht allein leben, ich brauche einen Gesprächspartner.“ Nachdem sie sich zu diesem Entschluss durchgerungen hatte, war schnell klar, dass der Umzug in eine Seniorenwohnung die Lösung ihres Problems sein würde.

Die Entscheidung muss reifen

Wer überlegt, in eine Seniorenresidenz zu ziehen, hat zunächst zahlreiche persönliche Details zu klären, um sich für so einen Neuanfang zu öffnen. Hilfreich ist es, im Vorwege zu erfahren, wie sich das Einleben gestaltet und wie der Alltag in der Gemeinschaft aussieht. Carola Hoffmann und Ramona Scholze sind im Wohnstift Otto Dibelius in Berlin-Mariendorf, für die Vermietung der Appartements zuständig. Sie haben viele Interessenten zum Teil über Jahre begleitet, die sich das Haus zum Beispiel beim Tag der offenen Tür zunächst einmal nur angesehen haben. Die beiden Damen können über die langen Entscheidungswege berichten, die am Ende zum Einzug führen – oder eben nicht. Außerdem erleben sie immer wieder gern, wie Bewohner in der neuen Umgebung langsam ankommen und sagen: »Die Entscheidung war richtig. Ein Glück, dass ich den Umzug hinter mir habe.«

Neustart im Service-Wohnen

Leicht ist Inge und Klaus-Günter Siebert der Umzug in eine Seniorenwohnung nicht gefallen. In dem Mehrfamilienhaus gab es zwar einen Fahrstuhl, aber die letzten sieben Stufen zur Wohnung fielen dem 87-Jährigen und seiner 81-jährigen Frau immer schwerer, auch das Schleppen der Einkaufstaschen wurde zunehmend ein Problem. Obwohl das Angebot ihrer Kinder „Zieht doch zu uns“ von Herzen kam, lehnten die Sieberts ab. „Jung und Alt unter einem Dach, das geht nicht gut“, weiß das Paar aus Erfahrungen mit den eigenen Eltern und zog stattdessen in eine Seniorenwohnanlge, ganz in der Nähe ihrer alten Wohnung.

Der Umzug ins Altenheim

Seit drei Jahren wohnt Bärbel Rückner im Haus Rixdorf. Die heute 70-Jährige hat sich gut eingelebt, fühlt sich zu Hause und genießt die Vorzüge, die dieser Umzug mit sich brachte. Leicht fiel ihr die Entscheidung nicht, ihre schöne Wohnung im grünen Stadtteil Britz aufzugeben und die vertraute Umgebung zu verlassen, in der sie ihre beiden Söhne aufwachsen sah.

„Zu Hause fühlen wir uns wohl“

50 Jahre sind sie schon verheiratet: Marianne (88) und Volker Röer aus Volksdorf. Der 84-Jährige lebt seit seiner Geburt hier, seine Frau kam nach dem Pharmaziestudium 1964 nach Hamburg. Zwei Kinder haben sie großgezogen, die inzwischen eigene Familien haben und in Berlin beziehungsweise New York leben. Gemeinsam mit seinem Schwager hatte der gelernte Farblithograf eine eigene Firma, die in der Druckvorstufe tätig war. Sein großes Hobby ist aber die Schifffahrt und deren Geschichte. Etwa 620 Schiffsmodelle hat Volker Röer in seiner Sammlung katalogisiert. Zu jedem kann er eine Geschichte erzählen und kennt deren technische Daten.

Auszeit für die Angehörigen

Hingebungsvoll kümmern sich Kinder um die Bedürfnisse ihrer älter werdenden Eltern, rund um die Uhr werden Senioren vom Ehepartner betreut. Die Pflege zu Hause ist enorm anstrengend und belastend. Da stößt eine Familie schnell an ihre Grenzen. Deshalb brauchen auch die Angehörigen zwischendurch einmal Urlaub. Die Pflegebedürftigen selbst können für diese befristete Dauer die Kurzzeitpflege eines Altenheims nutzen.