Berufsaufstieg im Altenheim

Viele Schüler haben auch nach dem Schulabschluss nur eine vage Vorstellung davon, welche berufliche Richtung sie einschlagen sollen. So war es auch bei Juliane Holtz, die sich zunächst nicht zwischen einer Ausbildung zur Reiseverkehrskauffrau oder zur Altenpflegerin entscheiden konnte. Erschwerend kam hinzu – man mag es kaum glauben –, dass es vor elf Jahren für die Realschulabsolventin zunächst keinen Ausbildungsplatz im Altenheim gab, lediglich ein Freiwilliges Soziales Jahr wurde ihr angeboten. In dieser Zeit reifte der Entschluss, Altenpflegerin zu werden. So zog Juliane Holtz, die in Freest in der Nähe von Wolgast (Mecklenburg-Vorpommern) aufwuchs, nach Hamburg: ein Neuanfang mit einem Ausbildungsvertrag in der Tasche und einer kleinen Wohnung, aber weit weg von der Familie.

Juliane Holtz (links) gratuliert Mubina Hadzic, die gerade die praktische Prüfung zur Altenpflegerin bestanden hat.

Heute hat die 28-Jährige in der Elbmetropole Wurzeln geschlagen. Inzwischen hat Juliane Holtz im Hospital zum Heiligen Geist (Hamburg-Poppenbüttel) die Aufgabe der Hausleitung übernommen. Als leitende Pflegefachkraft trägt sie die Verantwortung im Haus Enzian für 100 Bewohner sowie 70 Altenpfleger, Pflegehelfer, Hauswirtschafts- und Betreuungskräfte. Die Einsatzplanung, eine gute Zusammenarbeit im Team und die Bedürfnisse der Mitarbeiter sind zu koordinieren sowie Teambesprechungen und Telefonate zu führen. Vieles hat Juliane Holtz im Blick zu behalten, etwa wie im Rahmen einer Pflegevisite ein Mitarbeiter einen Bewohner versorgt und wie die Pflegedokumentation geführt wird. „Wir sind ein ehrliches Team, helfen uns gegenseitig und viele meiner Mitarbeiter sind seit über 20 Jahren hier im Haus tätig“, freut sich Holtz. Heute hat die Auszubildende Mubina Hadzic (35) die praktische Prüfung zum Examen als Altenpflegerin bestanden. Die 35-Jährige, die 2016 aus Bosnien nach Hamburg kam, freut sich riesig über dieses Etappenziel. Juliane Holtz ist stolz auf die Kollegin.

Auf die Frage, warum so viele Pflegekräfte den Beruf bereits nach wenigen Jahren wieder aufgeben, antwortet Juliane Holtz: „Es ist ein anstrengender Beruf. Mir macht er aber sehr viel Spaß. Unsere Bewohner sind so dankbar. Manchmal komme ich zwar an meine Grenzen, aber ich merke das auch – dadurch kann ich gegensteuern.“ Juliane Holtz kann sich gut vorstellen, noch viele Jahre in der Pflege tätig zu sein.