Karriere im Altenheim

Bei seiner Berufswahl vor etwa 15 Jahren hatte sich Luis Rulle jemanden gewünscht, der ihn an die Hand nimmt und ihm sagt, welche Richtung er einschlagen soll. „Doch letztlich musste ich das selbst herausfinden“, erinnert sich der heute 34-Jährige. Und so standen Grafik, Design, Jura und Architektur auf der Liste möglicher Berufe.

Luis Rulle begrüßt eine neue Bewohnerin.

Erst nach dem Abitur entdeckte Luis Rulle beim Zivildienst, dass er in einem sozialen Beruf genau richtig aufgehoben war. Und so absolvierte er eine Ausbildung zum Krankenpfleger, sammelte Berufserfahrung in der Notaufnahme eines Krankenhauses und studierte dann Pflege- und Gesundheitsmanagement. Während eines zweijährigen Traineeprogramms bei den Johannitern konnte der angehende Einrichtungsleiter bereits Leitungsaufgaben übernehmen und sich auf seine verantwortungsvolle Aufgabe vorbereiten.

Berufe im sozialen Bereich könnten ein besseres Image haben. „Inzwischen kann ich es nicht mehr hören, wenn mich ehemalige Mitschüler fragen, warum ich Krankenpfleger und nicht Bankkaufmann geworden bin“, ärgert sich Rulle. Denn gerade im sozialen Bereich tragen die Mitarbeiter große Verantwortung, die Arbeit mit den Menschen macht Spaß – und es gibt diverse berufliche Aufstiegsmöglichkeiten, wie etwa die Zusatzausbildung zur gerontopsychiatrischen Fachkraft oder Pflegedienstleitung.

Seit 2017 meistert der junge Einrichtungsleiter die große Herausforderung, das neue Johanniter-Stift Berlin-Johannisthal (Berlin-Johannisthal) mit 99 Bewohnern und rund 50 Mitarbeitern aufzubauen und den Betrieb zu leiten. Es waren etliche Vorstellungsgespräche mit künftigen Mitarbeitern zu führen, um Pflege und Betreuung für die Bewohner auf die Beine zu stellen. „Zunächst war ich aufgeregter als die Bewerber und musste erst einmal lernen, auf welche Details ich beim Vorstellungsgespräch achten muss. Das lernt man nicht an der Uni“, erinnert sich Rulle. Parallel war die Zusammenarbeit mit den genehmigenden Stellen zu koordinieren – wie etwa der Heimaufsicht, dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen, dem Gesundheitsamt, der Lebensmittelaufsicht und der Feuerwehr. Außerdem mussten Kooperationspartner – von den behandelnden Ärzten und Therapeuten über die Apotheke bis zur Wäscherei – gefunden werden.

Inzwischen trägt das Haus die persönliche Note des jungen Leiters, der inzwischen eigene Schwerpunkte gesetzt hat. Die Naturmedizin liegt ihm am Herzen, deshalb orientiert sich das Haus am Gesundheitskonzept nach Sebastian Kneipp. Das Wassertretbecken im Garten ist in Betrieb. Die Bewegung im kalten Wasser regt die Durchblutung an. Das ist ein Beitrag für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Bewohner. Als Einrichtungsleiter ist Luis Rulle aber auch „Mädchen für alles“: „Heute habe ich eine Bewohnerin in die Augenklinik gebracht, weil der Transport nicht anders zu organisieren war.“ Zu den schönen Aufgaben gehört es auch, neue Bewohner oder Mitarbeiter zu begrüßen. Nach der Arbeit abzuschalten – auch das will gelernt sein. Luis Rulle ist dann gern in Berlin mit dem Rennrad unterwegs. Er kocht gern, wobei ihm die thailändische Küche besonders gefällt. Außerdem liebt er die Gartenarbeit auf seiner Dachterrasse.